National Holiday – let´s move to countryside

Was ein Glück, dass Zedong Mao am 01. Oktober 1949 die Volkrepublik China ausgerufen hat. Nur so kamen wir letzte Woche in den Genuss eine ganze Woche frei zu haben. Denn neben dem Nationalfeiertag, stand am vergangenen Mittwoch auch noch das Mid-Autumn-Festival an. Die Nacht des Jahres, in welcher der Mond am hellsten scheint. Wie auch einige andere chinesische Festivals, richtet sich das Mid-Autumn-Festival nach dem traditionellen chinesischen Mondkalender. Man sagt, dass sich in dieser Nacht für viele junge Pärchen sich erstmals die Möglichkeit einer Verabredung ergibt.

Trotzdem stand für uns am vergangenen Montag erst mal etwas Arbeit auf dem Programm. Wir mussten (durften) eine Präsentation zur Urbanisierung Chinas und zu den daraus entstehenden Megacities (>10 Mio Einwohner) vorbereiten. Während Alex sich um die sozialen, wirtschaftlichen und die Umweltfolgen kümmerte, bereitete Matti etwas zur Geschichte und zu den Hintergründen der Urbanisierung Chinas vor. Am Nachmittag machten wir uns dann so langsam für unsere Reise in die Zhejiang Provinz startklar. Die Rucksäcke wurden gepackt und wir machten uns auf dem Weg zum Friseur. Dort angekommen, gönnten wir uns für 30 Yuan (ca. 3,50€) einen neuen Haarschnitt. Zwar fiel dieser etwas zu kurz aus als erwartet, dennoch sollte die neue Frisur in den nächsten Tagen, aufgrund der hohen Temperaturen noch von Nutzen sein. Erwähnenswert ist, dass man alle Friseure in Shanghai an Hand einer drehenden Spirale an der Front des Geschäfts erkennt. Dieses hypnoseartige Ding gibt es sowohl analog als auch digital. Wir haben uns schon die Frage gestellt, ob es wohl das Erkennungszeichen der Friseurzunft sein könnte…

Dienstagmorgen machten wir uns zeitig auf den Weg Richtung Bahnhof. Um zur Hongqiao Railway Station zu kommen, mussten wir erstmal 1,5h Metrofahrt auf uns nehmen. Dort angekommen wurden wir überwältig von der Größe dieses Bahnhofs. So verdutzt wie wir aussahen, sprach man uns auch direkt auf Deutsch an „wie kann man euch denn helfen?“. Letztlich waren wir aber nur auf der Suche nach dem Abfahrtsbereich, der sich wie in einigen Flughäfen im Obergeschoss des Bahnhofs wiederfand. Dieser Bahnhof ähnelt den Flughäfen der Welt wirklich sehr stark. Sicherheitscheck und Abfahrtsbereich im Obergeschoss, Boarding oberhalb des Bahngleises. Das Gate öffnet erst kurz vor Einfahrt des Zuges, bzw. wenn der Zug bereitgestellt wurde. Daher sieht man am Bahnsteig kaum Menschen. Das ganze wird flankiert von einer Shoppingmall und natürlich einer Fressmeile á la Starbucks, Subways, KFC und Burger King. Wer keine Lust auf Fastfood hat, kann sich am Automat eine Fertigsuppe ziehen, die man im Wasserraum nebenan mit Heißwasser aufgießen kann. Nachdem wir all diese Eindrücke verarbeitet hatten, wurden wir auch schon zum Boarding gerufen. Noch schnell ein Foto am Triebwagen gemacht und schon ging es mit 300km/h Richtung Longyou. 500 km und 2h Stunden später waren wir da. Noch einmal die Fahrkarte gezückt und den Bahnhof durch das Drehkreuz verlassen, machten wir uns auf den Weg Richtung Stadt. Diese Stadt mit rund 400.000 Einwohnen wird in China auch als „small town“ bezeichnet… Vorbei an den warteten Taxen, wollten wir die Strecke zu Fuß zurücklegen. Kurz nach der Bahnhofseinfahrt hupte uns jedoch ein TukTuk an. Der ältere Herr sprang direkt auf uns zu und bot an, uns an die Ren Min Lù zu fahren. Wir wollten ihm dafür 20 Yuan geben. Daraufhin schüttelte er den Kopf und meinte 10 Yuan. Eine wirklich ehrlicher Haudegen – willkommen auf dem Land!

Nachdem wir ins Hotel eingecheckt hatten, machten wir uns daran die Stadt zu erkunden. Auf den zweiten Blick ist Longyou wirklich eine „small town“. Neben vielen Einzelhändlern, hat die Stadt selbst nicht wirklich viel zu bieten. Letztlich machten wir uns auf dem Weg zu einem Fluss, dessen Promenade wirklich schön ausgebaut war. Auch das Wasser machte einen guten Eindruck. Wir sahen sogar einen Schwimmer. Dennoch waren wir überrascht, dass außer ein paar Fischern und ein paar Damen, die ihre Wäsche wuschen, niemand am Ufer zu sehen war. Auf dem Rückweg entschieden wir uns nach einer Einkehrmöglichkeit Ausschau zu halten. Zuerst fanden wir aber nur Läden mit sämtlichen Baumaterial (Kompressoren, Stahl, Betonmischern, Rasenmähern, etc…). Würde man alle diese Läden zusammenfügen, hätte man einen perfekt ausgestatten Baumarkt. In einer Nebenstraße fanden wir dann aber dennoch ein einladendes Lokal, in welchem wir neben Reis und Bier auch vier Gerichte bestellten. Drei davon waren wirklich schmackhaft, im vierten stießen wir jedoch auf Hähnchenfüße und weitere nicht identifizierbare Teile von Geflügel. Nachdem wir beide keine Pathologen sind, ließen wir das vierte Gericht nahezu unangetastet. Der Abend war noch jung und wir wollten die freie Zeit nutzen um uns einmal durch die chinesische Brauwelt zu trinken. So machten wir uns auf den Weg Richtung Supermarkt in der einzigen Mall der Stadt und kauften uns ein Karton mit 12 Dosen Bier, welche Alex (aufgrund mangelnder Verarbeitung des Kartons…) direkt mal in die Kasse stürzte. Mit dem Bier unterm Arm setzten wir uns auf eine kleine Treppe neben den Vorplatz der Mall, welcher gleichzeitig den Mittelpunkt der Stadt bildet. Wir ließen uns das Bier schmecken, während hinter uns die ersten Klänge des Abends aus einer Karaokabar erklangen. Eine halbe Stunde später war das Bier leer und wir machten uns abermals auf den Weg in den besagten Supermarkt. Neben flüssigen Nachschub, gab es zusätzlich noch ein paar Sonnenblumenkerne zum snacken. Zu guter Letzt nahmen wir noch ein Betthupferl (Reisschnaps) in einem Lokal zu uns und begaben uns in unserem Zimmer in die Horizontale.

Am Mittwoch machten wir uns per TukTuk auf den Weg zu einer der wenigen Sehenswürdigkeiten Longyou´s. Im Norden der Stadt wurden 1992 Höhlen gefunden, nachdem ein paar örtliche Farmer herausgefunden hatten, dass ihre Wasserquellen bis zu 60m tief und hohl sind. Wahrscheinlich gibt es noch mehr dieser Höhlen in China. Bisher haben die Bauern wohl nur nicht über ihre Erkenntnisse berichtet. Gemeinsam mit vielen anderen Touristen machten wir uns auf den Weg in den Abgrund. Zuerst dachten wir, dass die Höhlen vor einiger Zeit wohl maschinell erbaut wurden sind, da der Schliff an den Wänden wirklich sehr synchron und parallel verläuft. Letztlich verwies dann aber eine Infotafel in der fünften Höhle darauf, dass die Höhlen wohl älter als 2000 Jahre sein müssen und man bis heute nicht weiß, wie man zu jener Zeit in so präzise Bauart gefertigt hat. Am Ende der Höhlen wartete noch ein schöner Tempel auf uns. Durch zwei Eingangstore gelangte man auf den Hauptplatz des Tempels, wo viele Menschen Kerzen und Räucherkerzen entfachten. Daneben gibt es weitere Feuerstellen, in welchen die Menschen Dinge für ihre verstorbenen Angehörigen verbrennen. So ist es in China üblich, dass man seinen Vorfahren Dinge wie ein Iphone, ein BMW oder auch eine Freundin in Form von Rauch gen Himmel schickt. Alles ist natürlich in Papierform zu erwerben, versteht sich ja quasi von selbst. Mit dem TukTuk ging es anschließend zurück ins Hotel, wo wir uns am Nachmittag noch ein bisschen von den Strapazen des Vorabends erholten. Richtung Abend starteten wir in den südlichen Teil der Stadt um uns dort eine der vielen Baustellen China anzuschauen. Auf dieser Baustelle entstehen 27 Gebäude mit bis zu 13 Stockwerken. In diesen gibt es Wohnungen von 29 – 168qm². In den nächsten 10 Jahren sollen weitere 300.000.000 Chinesen vom Land in die Stadt umsiedeln. Dafür brauch man in Summe so viel Wohnraum als würde die ganze U.S. Population umziehen… Nach diesen Eindrücken knurrte uns der Magen und wir stärkten uns mit ein paar Grillspießen in einer Foodhall. Zum Tagesabschluss gönnten wir uns noch ein Rennen auf der Carrera-Rennbahn in besagter Mall.

Am Donnerstagmorgen wollten wir uns vor Start unseres Trips noch mal stärken. In unserer Hotelbuchung war zwar Frühstück inbegriffen, jedoch bestand dieses nur aus chinesischen Spezialitäten, wie z.B. Reisporridge oder Bratreis mit Ei. Nachdem wir davon aber erst einmal genug hatten und auch unbedingt einen Kaffee benötigten, machten wir uns auf den Weg zum ortsansässigen MC Donalds (shame on us…), um uns ein Frühstück nach amerikanischer Manier und einen Kaffee einzuverleiben.

10:11 Uhr ist Treffpunkt mit unserer Reisegruppe am Bahnhof in Longyou. Wir genießen die Ruhe vor dem Sturm und feixen mit ein paar Taxifahrern, die auf ankommende Zugreisende warten. Als das Rolltor für den Ausgang hochgeht, kommen die ersten westlich aussehenden Menschen direkt heraus, schnell findet sich die Gruppe. Wir stellen uns gegenseitig vor und es machen alle direkt einen ganz netten Eindruck! Und: keine anderen Deutschen. Für uns eine willkommene Abwechslung zum Alltag in der Uni. Gemeinsam gehen wir zum Busparkplatz, wo ein lila Reisebüsschen mit 25 Plätzen erwartete. Obwohl wir die letzten sind, die einsteigen, sind die Panoramaplätze in der ersten Reihe noch frei. Los geht’s! Unweit von Longyou fahren wir auf eine Autobahn auf, so wie wir sie kennen + Mautsystem wie in Italien. Während der nächsten zwei Stunden lassen wir die platte trockene Ebene hinter uns und tauchen ein in Chinas Natur! Der Bus schlängelt sich durch hügelige Waldlandschaften, karge Schluchten mit Flüssen und bergige Wildnis. Ein Traum. Währenddessen gibt es einige Hinweise von den beiden Guides. Eine ist zuständig für die chinesisch sprechende Hälfte der Gruppe, der andere für die englischsprachigen. Ca. 10 Minuten lang gibt es Informationen auf Chinesisch, auf Englisch sind es dann drei Sätze – That’s all! Der Guide scheint nicht so erfahren, vor großen Gruppen zu sprechen, im persönlichen Gespräch bekommen wir allerdings einiges aus ihm heraus. Nach etwa zwei Stunden hält der Bus in einem abgelegenen Tal und wir kehren in ein traditionelles Restaurant zum Mittagessen ein. Nette Gespräche am Tisch, Essen und Tee gibt es auch. Auf Nachfrage was es denn für ein Tee sei, bekommen wir direkt eine komplette Plastiktüte geschenkt! Es handelt sich um Baumrinde und Blätter aus dem Garten des Restaurants – aber wie gesagt, nicht schlecht! Weiter geht es mit dem Bus!

Nach einer Stunde fahren wir auf einen Parkplatz und steigen in einen anderen Bus um. Dieser Bus ist deutlich kleiner und wendiger. Passend für den Weg zu unserer ersten Attraktion. Der Weg ist etwa 20 Kilometer lang und besteht gefühlt nur aus Serpentinen. Der entgegenkommende Verkehr macht die Straße beängstigend eng. Nicht nur einmal, dass wir denken, gleich knallt es. Obwohl die A-Säule des Busses bereits nur noch aus Spachtelmasse besteht, kommen wir ohne Zwischenfälle auf der Spitze des Berges an! Dort erwartet uns die grandiose Aussicht auf die Reisterassen von Nanjianyan. In die zerklüfteten Felsen wurde ein Rundweg eingearbeitet, den wir die nächsten 1,5 Stunden gehen werden. Interessanterweise ist der Blick auf die Reisterassen von jedem Aussichtspunkt aus anders. Aufgrund der Temperatur von gut 30°C, brennende Sonne und der Tatsache, dass der Weg zu großen Teilen aus Treppenstufen besteht, kommt es dazu, dass wir ein wenig schwitzen. Für diesen Rundweg haben die Chinesen alles gegeben, selbst eine Hängebrücke und ein Abschnitt mit Glasboden über dem Abgrund sind dabei. Zurück am Ausgangspunkt können wir unsere T-Shirts auswringen…

Die Fahrt wird weiter fortgesetzt. Nach weiteren 1,5 Stunden im Bus durch die reizvolle Landschaft erreichen wir unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Es handelt sich um ein Bergdorf namens Dakecun. Wir schätzen, dass in den gelbfarbenen Häusern etwa 100 Menschen leben. (Auffällig ist, dass es in unserer Altersklasse keine Menschen dort gibt. Entweder sind die Bewohner schon fortgeschrittenen Alters oder eben noch Kinder. Später werden wir erfahren, dass die Eltern die Kinder vermutlich als Wanderarbeiter in den großen Städten leben.) Das Dorf ist wunderschön am Hang gelegen und umgeben von Teeplantagen. Direkt am Dorfplatz steht auch das Haus des Bürgermeisters. Wir versammeln uns dort und die Gruppe wird auf die einzelnen Häuser des Dorfes aufgeteilt. Wir beide werden über ein paar zugewucherte Stufen und Wege zu unserer Gastgeberin gebracht. Es ist eine 71-jährige Bäuerin, super offen und herzlich! Bloß spricht sie ungefähr so viel Englisch wie wir Esperanto… Dennoch kommen wir mit den Händen und Füßen erstmal gut zurecht Einmal über die Diele, richten uns in unserem Zimmer ein. Zwei Betten, Fenster und ein kleines Bad – passt! Hier können wir es aushalten. Wir duschen fix, denn alsbald gibt es Abendessen im Hause des Bürgermeisters! Die ganze Gruppe kommt wieder zusammen und wir genießen traditionelles chinesisches Essen. Könnten wir bitte ein Bier dazu bekommen? Ja nun, könnt ihr schon – müsst es jedoch bezahlen! Das gönnen wir uns! Es stellt sich heraus, der halbe Liter kostet 5 Yuan (etwa 65 Cent). Wo war das Problem? Wir nehmen noch zwei. Nach dem Essen löst sich die Runde schnell auf. Es ist halb acht Abends, dunkel und absolut ruhig – das Dorf ist wie ausgestorben. Wir nehmen uns noch zwei Bierchen nimmt und gehen gemeinsam mit der gesprächigen Malaysierin Ranita auf Entdeckungstour durch das Dorf. Leider fängt an wirklich jedem Haus der (übrigens auch gleich aussehende) Wachhund an zu bellen.

Als wir um kurz vor 10 heimgehen, werden wir schon von unserer lieben Gastgeberin erwartet! Oha, sind wir zu spät? Nein, sie ist herzlich wie vorher auch und quatscht uns munter auf Chinesisch voll. Wir antworten in ihren wenigen Atempausen auf Deutsch oder Englisch. Wir verstehen sie nicht, sie versteht uns nicht. Wir verstehen uns! Ein schöner Tag geht zu Ende.

Am nächsten Morgen gibt es Western Breakfast – also Toast, Marmelade, Erdnussbutter und Instant Kaffee. Hallo! Toast! Die haben hier echte Toaster! Das Dorf scheint besser bestückt zu sein als Longyou oder gar Shanghai. Anschließend gehen wir los zum Wandern durch die Teeplantagen. Es stellt sich heraus, dass es eher in Spaziergang wird aber das soll uns recht sein – das Wetter ist wie gestern! Wir gehen durch eine weitere Siedlung und durch die Plantagen hinunter ins Tal. Ein großer Teil der Plantagen war früher für den Reisanbau vorgesehen. Erst seit wenigen Jahren dürfen sich die Bauern aussuchen, was sie anpflanzen. Die meisten in der Gegend haben sich für den ertragreicheren Tee statt des Reis‘ entschieden. Dennoch ist die Infrastruktur noch vorhanden – Terrassenbauweise am Hang verbunden mit einem aufwändigen Bewässerungssystem. Nach dieser schönen Tour besuchen wir das altertümliche Dorf Dushan, welches aus der Ming Dynastie stammt. Uralte Bauten, welche zum Teil bis heute bewohnt und bewirtschaftet werden. Nach Mittagessen und einer weiteren kleinen Wanderung geht es mit dem Bus zurück in unser Dorf. Wir gehen dort etwas spazieren und sehen uns das Dorf und die Umgebung nochmal bei Tageslicht an. Überall wird gebaut und gewerkelt, Häuser werden renoviert die Straßen sind neu gemacht. Immerhin eine positive Seite des Tourismus vor Ort, von dem die Menschen profitieren können und die Gegend ihren ursprünglichen Charakter nicht verliert. Unterwegs treffen wir ein paar Kinder, die uns stetig hinterherlaufen und über Mattis Größe wundern. Sie zischen zufrieden ab, nachdem sie ein Erinnerungsfoto und Ranitas WeChat ID bekommen haben.

Wir sind mit einem Künstler verabredet. Die nächsten Stunden verbringen wir damit „traditionelle chinesische Masken“ zu malen. Tatsächlich bemalen wir Pappgesichter mit Wassermalfarbe. Für viele in der Gruppe scheinbar eine Entspannung, für mich Alex eher eine stressige Beschäftigungstherapie.

Nach dem Abendessen steht ein gemeinsames Lagerfeuer auf dem Dorfplatz an. Es wird laute Musik gespielt, Bierchen getrunken und wir spielen ein paar Spiele mit der Reisegruppe, z.B. Reise nach Jerusalem. Einzig die chinesischen Teilnehmer tun sich etwas schwer aus sich herauszukommen. Als eine die Aufgabe bekommt, Matti 10 Sekunden lang zu drücken, handelt es sich eher um eine zaghafte Andeutung einer Umarmung. Dennoch haben wir gemeinsam Spaß, bis das Programm um ca. 22:00 vorüber ist. Wir gehen heim und werden bereits erwartet! Unsere nette Gastgeberin wollte uns doch noch was mitteilen. Aber was? Beinahe zwei Stunden verbringen wir mit ihr, in denen sie uns ihre Verwandtschaft auf Bildern zeigt, ihre Küche zeigt, erklärt wie man Tee macht (wilde kreisförmige Gestik der Arme verbunden mit dem Ausspruch „tongze tongze, changze changze!“) wir schreiben unsere ersten chinesischen Zeichen und kaufen ihr noch etwas Tee ab. Herrlicher Abschluss des Tages.

Am dritten Tag der Gruppenreise steht wieder viel Bus fahren auf dem Programm. Es geht Richtung Lishui. Unterwegs halten wir in einer Kleinstadt, wo es auch Teeplantagen gibt. Jedoch ist es deutlich flacher und einige Wege zwischen dem Tee sind asphaltiert. Wir bekommen Fahrräder zur Verfügung gestellt und radeln munter durch die Landschaft. Eigentlich hatten wir eine anspruchsvolle Mountainbike-Tour erwartet, jedoch machen wir das Beste draus und genießen die Landschaft auf den viel zu kleinen Rädern. Zwischendurch halten wir an einem Teehaus, dort bekommen wir von einem Rentnerinnen-Treff ein klassisches Ständchen gesungen. Außerdem halten wir bei der Gelegenheit noch einen Schnack mit einer der fleißigen Arbeiterinnen in den Teeplantagen, bevor wir den Rückweg Richtung Shanghai antreten.

In Shanghai kommen wir um 22:16 Uhr am Bahnhof an. Wir haben also noch die 1,5 Stunden Fahrt  bis zu unserem Apartment vor uns. Wir haben Glück und sind schnell in einer der völlig überfüllten U-Bahnen. Also wir nach einigen Stationen umsteigen wollen, müssen wir feststellen: der Betrieb wurde eingestellt! Betriebsschluss der U-Bahn in einer Stadt mit 24 Millionen Einwohnern an einem Samstagabend um viertel vor 11! Unfassbar! Mit dem Taxi kommen wir dann doch noch gut heim und unsere schönen Ferien finden ihr Ende!

 

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Woche 4: Entschleunigung und ein paar Bier

Nun ist es schon knapp vier Wochen her, dass unser Flugzeug in Shanghai aufsetzte. In dieser Zeit haben wir schon jede Menge erlebt, so dass wir dir letzte Woche erstmal ruhiger angegangen sind. Was anderes war aufgrund des Wetters auch garnicht möglich. So herrschten zu Beginn der Woche zwar 30 Grad, aber dafür regnete es auch mindestens 30 Liter pro qm². Dementsprechend nass starteten wir in die Woche.

Zu Beginn der Woche mussten wir feststellen, dass Whatsapp nicht mehr funktioniert. Nachdem wir kurz recherchiert haben, fanden wir heraus, dass es China nun wohl gelungen ist, sämtliche Nachrichten über diesen, zu Facebook gehörenden, Messengerdienst zu unterbinden. Als Grund gibt die Regierung mangelnde Überwachungsmöglichkeiten an. Als Alternative hatten wir zum Glück schon WeChat installiert, ohne welches in China eh überhaupt nichts läuft. Täglich ca. 940 Millionen Nutzer sprechen für sich.

Auch ohne Whatsapp konnten wir den Ausgang der Wahlen in Deutschland verfolgen. Jeglichen Kommentar dazu kann man sich wohl ersparen… Nur die Reaktion Pekings möchten wir euch nicht vorenthalten: „In instabilen weltpolitischen Zeiten herrscht wenigtens in Deutschland Stabilität.“ Mit Merkel hat die chinesische Regierung eine Ansprechpartnerin, die man schon lange kennt. Darauf wird in China viel Wert gelegt, ganz nach dem Motto „First: Relationship, Second: Contract“.

Am Dienstag ließ der Regen langsam nach. Das Ergebnis: Nebel bei 32 Grad (!). Erwähnswert ist noch, dass wir im Chinesischkurs das erste Mal chinesische Symbole lernten, was letztendlich darin mündete, dass wir einen kurzen Dialog ganz in chinesich lesen konnten. Ein großartiger Lernerfolg, auch wenn wir an der Aussprache (es gibt 4 Arten der Betonung) noch arbeiten müssen.

Die Mitte der Woche verbrachten wir mit der Vorbereitung von Präsentationen für die Kurse Social Changes in China und Intercultural Business Communication. Im Ersteren bereiten wir eine Präsentation zur Urbanisierung und den Supercities in China vor. Die zweite Präsentation dreht sich um den Unterschied in der Körpersprache. Ferner machten wir noch ein paar Tonaufnahmen für Chinesisch. Wir sprachen den angesprochenen Dialog im Partnerinterview ein, sendeten diesen per Mail an Ms. Xiao Xiao und bewerteten unsere Dialoge dann gegenseitig in der Chinesisch Stunde am Donnerstag.

Freitag waren wir shoppen. Zuerst ging es Richtung Taylor Markt. Dort wollten wir Anzüge und Jackets in Auftrag gegeben. Nach zähen und harten Verhandlungen einigten wir uns mit der sympathischen Verkäuferin auf einen für uns fairen Preis. Bei den vielen Schneidern gibt es Anzüge zu unterschiedlichen Preisen, darum entschieden wir letztendlich nach Gefühl. Die Sachen sind in 2 Wochen fertig. Natürlich geht auch alles über Nacht, aber wir haben ja noch ein paar Tage Zeit… Fortsetzung folgt!

Anschließend machten wir uns abermals auf den Weg zu Amy, der Optikerin. Dort hatten wir uns vor 2 Wochen schon beraten lassen und uns das ein oder andere Gestell angesehen. Nachdem wir uns zwei Brillen und eine Sonnenbrille ausgesucht hatten, meinte sie, dass wir in 40 Minuten wieder kommen sollen. Verdutzt machten wir uns auf den Weg zu KFC um ein paar Hähnchenkeulen zu essen. Eine halbe Stunde danach waren wir wieder bei Amy und siehe da, die Brillen waren fertig, inkl. Gläser in unserer Stärke – einfach unglaublich!

Das Wochenende verbrachten wir überwiegend im Appartment. Samstags trafen wir uns noch mit zwei Studis aus Polen zum gemeinsamen Einkaufen und anschließend zum gemeinsamen Kochen in der Küche. Uns gelangen drei leckere Gerichte: Chili-Lemon-Chicken mit Karotten, Shrimps an Paprika und Chili und Chinakohl mit Speck. Das ganze wurde natürlich mit Reis und dem ein oder anderen Tsingtao angereicht. Sonntag machten wir uns mal auf den Weg Richtung Hafen. Ein Weg zwischen Seecontainern und Hafenkränen brachte uns letztendlich auf den Fudan University Campus. Ein sehr imposantes und weitläufiges Gelände, das vollkommen gegenteilig zu unserem Campus ist, über den wir natürlich auch noch berichten werden.

Nächste Woche sind in China Ferien. Der 1. Oktober ist Nationalfeiertag (Mao Zhedong rief am 01.10.1949 die Volksrepublik China aus). Kommenden Mittwoch steht Mid-Autumn-Festival auf dem Programm, die Nacht im Jahr, an welchem der Mond am hellsten und schönsten scheint. An diesem Tag schenken sich die Menschen sogenannten „Mondkuchen“, ein Gebäck mit unterschiedlicher Füllung (Traditionell mit Füllung aus Eigelb). Diese kann man hier im Supermarkt erwerben, wie bei uns Schokonikoläuse oder Schokoosterhasen. Für uns geht es am Dienstag aufs Land nach Longyou, wo ein Mountainbike-Hike zwischen Teeplantagen und Reisterrassen auf dem Programm steht. Wir werden im nächsten Blog ausführlich darüber berichten.

 

 

Woche 3: Irgendwo zwischen Alltag und touristischen Highlights

Hoch motiviert starteten wir die Woche am Montag morgen mit einem kleinen Sportprogramm: Treppenhaus-Run, Trimmrad-Fahren, Liegestütz oder Kilos an die Decke schmeißen – alles dabei! Als Muskelpakete werden wir im Winter wohl nicht zurück kommen, trotzdem tut es gut sich zwischendurch etwas mehr zu bewegen, als nur zwischen U-Bahnhöfen, Uni und Attraktionen hin und herzulaufen. Nebenbei ist eine etwas seltsame Form des Alltags für uns nun  eingezogen. Tägliche Tätigkeiten, längere Arbeits- oder Ruhephasen oder der mittlerweile bekannte Besuch der Uni werden ergänzt von neuen Erkenntnissen, Begegnungen, Besuch von Attraktionen oder eben der Tatsache als Europäer aufzufallen wie bunte Hunde. Irgendwo zwischen Studenten und Touri…

Die Uni startete wieder mit dem Kurs Foreign Trade of China. Dieses Mal drehte es sich um die Stärke und Bedeutung der chinesischen Wirtschaft auf dem Weltmarkt sowie verschiedene wirtschaftliche Theorien – unter anderem eine des altbekannten Karl Marx. Im Kurs Social Changes of China wurden die wichtigsten Feiertage und Festlichkeiten, die in China gefeiert werden, vorgestellt. Hierbei wurde sich stets auf die größte Ethnie des Landes, den Han, Bezug genommen. Die Feiertage der anderen 58 Bevölkerungsgruppen hätten uns vermutich nur verwirrt. Die Feiertage der Han beziehen sich insgesamt auf 5000 Jahre Geschichte! Das wichtigste ist das Neujahrsfest – 5 Tage mit unterschiedlichsten Traditionen und Tätigkeiten. Inklusive der TV-Sendung mit der wohl größten Quote weltweit von 800 Millionen Zuschauern, Feuerwerke sowie 1,4 Milliarden Reisen innerhalb des Landes! Da ist das komplette Land auf dem Weg zu seiner Familie (1/3 der Bevölkerung Shanghais ist nur zum Arbeiten hier). Im Anschluss an diesen Uni-Tag waren wir zum Essen im Blue Frog verabredet. Dieses Mal mit ausreichend Bargeld bestückt, trafen wir uns mit Studi-Kollegen aus Hamburg, der zufällig auch zurzeit in Shanghai ein Auslandssemester macht, jedoch über ein anderes Programm. Nach zwei riesigen Burgern (Angebot des Tages) nahmen wir die letzte U-Bahn des Tages vom Hauptbahnhof – um 23:00. Für uns sehr ungewohnt, jedoch wird hier ein anderer Tagesrythmus gelebt, als in Deutschland (Garküchen, die Frühstück zubereiten, fangen z.T. um 2 Uhr am Morgen an).

Im Chinesisch – Unterricht dieser Woche bekamen wir unsere Namensschilder. Auf Chinesisch natürlich. Außerdem haben wir fleißig Aussprache geübt. Im Kurs Intercultural Business Communication wurden die Theorie „national influences“ nach Geert Hofstede vorgestellt. Demnach wird die Kultur von Bevölkerungen in 6 unterschiedliche Dimensionen eingeteilt: Machtdistanz, Individualismus und Kollektivismus, Maskulinität versus Feminität, Ungewissheitsvermeidung, Lang- oder kurfristiger Planungshorizont, Nachgiebigkeit und Beherrschung. Eine sehr interessante Theorie, da wir einerseits unser eigenes Verhalten besser reflektieren und einordnen können. Außerdem sieht man die Angewohnheiten anderer Kulturen mit anderen Augen, da nach dem Warum gefragt wird. Dennoch ist diese Theorie natürlich nicht unumstritten.

Im Laufe der Woche gab es einen Wetterumschwung, in dessen Folge es nun ohne Unterlaß regnet. Außerdem ist die Temperatur abgestürzt – auf 23°C. Die erste Folge war, dass nun doch noch ein Regenschirm angeschafft wurde. In unserem Appartment wurde die Luft durch das Wetter jedoch nicht besser – es war nach wie vor sehr warm. Eine Nachfrage bei der Rezeption ergab, dass es von Regierung Shanghais eine Verordnung gibt, die es verbietet, dass Klimaanlagen bei einer Außentemperatur von weniger als 25° kühlen dürfen. Wir haben das Problem jedoch mit Gebläse und offenem Fenster in den Griff bekommen.

Unser Highlight in dieser Woche war der Donnerstag Nachmittag/Abend: Wir fuhren in den Süden der Stadt Richtung Expogelände (Expo Weltausstellung im Jahr 2010). Zunächst besuchten wir einen so genannten Taylor – Markt auf. Ähnlich wie in der letzten Woche bei den Optikern, erwartete uns dieses Mal ein riesiges Kaufhaus mit Schneidern und Stoffhändlern über drei Etagen! Wir schlenderten durch die Gänge und haben uns mal wieder ein bischen im Verhandeln geübt, was uns denn wohl ein maßgeschneiderter Anzug kosten würde? Rund 120 € erschien uns noch zu viel, außerdem mussten wir mit Blick auf die Uhr weiter! Ab in die Mercedes Benz Arena! Es erwartete uns das allerste NHL – Eishockey – Spiel in China überhaupt.  Die Vancouver Canucks versus LA Kings aus der besten Liga der Welt sollten heute den Puck schubsen. Das Spiel soll den Eishockey Sport im Hinblick auf die olympischen Winterspiele 2022 in China populärer machen. Am Kiosk vor der Arena, wo uns übrigens massig Ferngläser von Straßenverkäufern angeboten wurden, noch schnell ein Bierchen zischen! Stop! Was hat uns der Mann aus dem Kiosk in diesen trügerischen goldenen Dosen verkauft? Eistee mit Milch … das passiert, wenn man die wichtigsten Zeichen noch nicht kennt! Im Stadion wurde dann doch noch Budweiser ausgeschenkt. 6€ kostete der halbe Liter und damit nur(!) 20 Mal mehr als im Supermarkt! Das Spiel selbst war überragend: Schnell, taktisch, unfassbar präzise und ein paar nette Provokationen. Wie ein Hockeyspiel aus dem Bilderbuch. Die Canucks konnten sich gegen die Kings (leider) nicht durchsetzen und verloren schließlich 5 : 2.

Am Samstag wurde ein Ausflug von der Uni angeboten. Zunächst ging es in den alten Jing’an Tempel mitten in Shanghai. Ein buddhistischer Tempel in großen Teilen aus Holz gebaut, der während der Kulturrevolution als Fabrik eingesetzt und mittlerweile wieder renoviert wurde. Anschließend ging es in das Shanghai Museum. So viele Menschen und eine derartige Anstellschlange habe ich bisher in keinem Museum gesehen – unfassbar. Beim Warten im Regen sprach ich kurz mit einem australischen Lehrer. Wir stellten fest, dass es passendes Wetter für einen Museumsbesuch sei. Innen erwarteten einen die Sammlungen verschiedenster Artefakte chinesischer Kultur – Möbel, Münzen, Stempel, Jade, Porzellan, Gemälde usw. Allein die Menge war überwältigend, das Alter der Gegenstände (bis zu 6800 Jahre) unvorstellbar. Abschließend wurde das Museum für Stadtplanung Shanghais besucht. Im Gegensatz zum Shanghai Museum deutlich aktueller und interessanter aufbereitet. Hier wurde einem die Größe der Stadt nochmal verdeutlicht – z.B. anhand eines 600m² Modells der Innenstadt. Es wurde verdeutlicht, dass Shanghai in den letzten 100 Jahren den Wandel von einem „Drecksloch“ in eine der modernsten Städte der Welt gelungen ist. Klar wurde leider auch, dass Gentrifizierung einschließlich Vertreibung von Menschen aus ihren alten Häusern, deren Abriss und schlussendlich der Verlust einer bestimmten Straßenkultur („China Town“ war früher eine gängige Ordnungsform in der Stadt) verherrlicht und als Erfolg gewertet werden.

Am Sonntag Morgen waren wir mit unseren chinesischen Buddys verabredet. Unsere Dozentin Linda hat einen Austausch von ausländischen und chinesischen Studierenden organisiert. Wir fuhren bereits um halb 8 los, um passend um 9 Uhr im YuYuan Garden zu sein. Dort trafen wir bald auf Betty und Sharry (viele Chinesen geben sich zusätzlich einen englischen Namen, um für unsereins besser ansprechbar zu sein). Die Beiden sind 20 bzw. 19 Jahre alt und studieren Englisch. Zum Frühstück gab es Dumplings. Eine Spezialität aus Shanghai, die stark an  Maultaschen erinnert. Diese werden mit den verschiedensten Sachen gefüllt, z.B. Gemüse, Fleisch oder Krabbensuppe und dampfgegart. Unmittelbar nachdemwir aufgegessen hatten standen wir auf und gingen – für uns, wo man ja eher noch gemütlich sitzen bleibt, eher ungewohnt, aber okay. Wir gingen in den eigentlichen historischen Garten. Während es in Strömen regnete stapften wir an schönen Pavillons, Teichen und Bäumen entlang. Da sprach mich ein australischer Leherer von der Seite an und wir stellten fest, dass es ziemlich ungünstiges Wetter für einen Besuch in einem Garten sei. Was für eine verrückte Wiederbegegnung in einer Stadt mit beinahe 25 Millionen Menschen! Anschließend gingen wir mit Betty und Sharry über die Souvenirmärkte spazieren und tauschten uns weiter aus. Eine nette und sicher nicht die letzte Begegnung mit den beiden.

Woche 2: Irgendwo zwischen Lernen und Shoppen

Die zweite Woche in Shanghai liegt hinter uns. Neben dem Start unseres Uniprogramms haben wir auch in der letzten Woche wieder einiges erlebt, das wir euch nicht vorenthalten wollen.

Der erste Unitag startete ziemlich regnerisch, sodass wir nach erfolgreicher Registrierung bei der Polizei etwas durchnässt in der Universität ankamen. Im Hauptgebäude des Yanchang Campus hörten wir den Kurs „Foreign Trade of China“. Mr. Cheng Ming versuchte in der ersten Kurseinheit einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung Chinas zu geben, was ihm mit beeindruckenden Zahlen letztlich auch gut gelang. Auf dem Weg zum nächsten Kurs noch schnell am Unisupermarkt ein Eis und ein Wasser geschnappt und schon ging es weiter mit „Social Changes in contemporary China“. Auch hier bekamen wir einen ersten Überblick über die sozialen Unterschiede in regionalen Gegebenheiten in China. Ganz nebenbei gab Ms. Bei Huang noch ein paar nützliche Reisetipps und verwies auf die besten Webseiten, um Trips zu buchen. Sie warnte jedoch davor, in der ersten Oktoberwoche in die großen Städte zu reisen, da nicht nur die Studenten in dieser Woche frei haben, sondern ganz China. Das sind immerhin ~1.300.000.000 Menschen! Interessant war, dass sich beide Dozenten*innen auf das „One belt – One Road“ Modell stützten. Darunter versteht man die Partnerschaft mit allen Nachbarländern (= ein Gürtel) und den Handel mit den europäischen Staaten, welcher früher über die Seidenstraßen und heute über den Wasserweg von statten geht (= eine Straße). Anschließend wollten wir noch zu Blue Frog, einer Burgerkette, welche Montags „1 Burger kaufen, 2 bekommen“ anbietet. Mangels Bargeld (wir hatten uns vorher Zugfahrkarten für unseren Ausflug Anfang Oktober gekauft, welche bar bezahlt werden mussten) mussten wir jedoch den Rückweg zum Appartment antreten und uns eine Tütensuppe genehmigen. Naja vielleicht klappt es ja nächsten Montag =).

Nachdem wir am Dienstag zum ersten Mal das Sportinventar unseres Appartmenthauses ausprobiert haben, stand die erste Stunde Chinesisch auf dem Programm. Anstatt der Metro nahmen wir heute erstmals den Bus. Dabei fiel uns auf, dass das die Smartphonenutzung im Bus weniger exessiv ist, als das in der Metro der Fall ist. Ob das vielleicht an den mässigen Straßenverhältnissen liegt? Die Herausforderung der Busfahrt bestand darin, die richtige Haltestelle zum Ausstieg zu finden, da die Ansagen und Anzeigen ausschließlich auf chinesisch erfolgen. Im Kurs trafen wir auf Ms. Xiao Xiao. Neben ihrer Tätigkeit als Chinesisch Trainerin ist sie uns auch schon vom Orientierungstag bekannt gewesen, da sie für die Organisation des Austauschprogramms an der Uni zuständig ist. Wir lernten die ersten Silben der chinesischen Aussprache, die Zahlen von 1-10 (interessant dabei: Chinesen zählen mit einer Hand von 1-10, so ist es möglich mit beiden Händen bis 99 zu zählen) und die ersten Sätze um uns vorzustellen. Auch den Satz „Ich habe Hunger“ bekamen wir schnell über die Lippen: Wo è! Am Abend dann noch schnell beim örtlichen Supermarkt vorbeigeschaut und uns mit Zutaten für ein vegetarisches Thai-Curry eingedeckt, welches wir anschließend in der Gemeinschaftsküche vorbereiteten.

Mittwoch ist unser freier Tag. Wir wollten einen Toaster fürs Appartment und ein Iphone für Alex besorgen. Beides gelang uns an diesem Tag nicht =(. Wer denkt, dass China das Land der billigen Elektrowaren ist, hat sich kräftig geirrt. Allein einen Toaster zu finden ist eine schwere Aufgabe. Hat man mal einen (!) gefunden, macht man aufgrund des Preises schon wieder kehrt (umgerechnet 40€…). Wir entschieden uns daher dafür unser Toastbrot lieber ungetoastet zu verzehren. Dafür entdeckten wir im riesigen Carrefour-Supermarkt andere merkwürdige Dinge: Für umgerechnet 1,50€ kann man in der Pflanzenabteilung Besitzer einer Babyschildkröte werden, die sich in einer Tupperbox mit einem Schluck Wasser aufhält. In der Frischwarenabteilung kann man sich Fische direkt aus Wasserbecken kaufen. Das Kuriose dabei, die Fische sind an den Flossen bereits etikettiert… Wir ließen die Tiere dort und kauften uns neben einem Kochmesser ein Badminton-Set, um die vielen Sonnenstunden Shanghais auszunutzen. Beim Bezahlen überreichten wir das Geld, wie in China üblich, mit beiden Händen. Achja, das Iphone für Alex besorgten wir am Donnerstag. Nachdem am Mittwoch das neue Iphone X vorgestellt wurden, hatte man über Nacht die Preise für die älteren Modelle gesenkt ;-).

Nach einem ausgieben Stadtspaziergang entlang des Bund (Promenade am Huangpu River) stand am Donnerstag die zweite Einheit Chinesisch auf dem Stundenplan, bei welcher am Ende direkt ein erstes Diktat geschrieben wurde. Es ging zwar nur darum, Silben richtig zu erkennen, aber da sich „j, q, x“ in China ziemlich ähnlich sind, war es schwer genug herauszufinden um welchen Anfangsbuchstaben es sich handelt.

Am Freitag war früh Aufstehen angesagt. Bereits um 05.45 Uhr (MESZ 23.45 Uhr) klingelte der Wecker. Nach kurzem Frühstück und einem schnellen Cappucino (Instant), machten wir uns auf den Weg zu Intercultural Business Communication. Ein sehr interessanter Kurs, da es uns Linda erstmal zur Aufgabe machte, unser eigenes, kulturell bedingtes Verhalten zu hinterfragen. Wir denken, dass uns viele interessante Einheiten in diesem Kurs bevorstehen, zumal wir uns auch für ein Buddyprogramm einschreiben konnten. Wir sind schon gespannt darauf, dass sich unsere chinesischen Buddys bei uns melden. Da das Wetter am Freitag nicht so toll war (ein Typhoonausläufer traf auf die Ostküste Chinas), entschieden wir uns zum größten Fakemarket der Stadt zu fahren. Die sogenannte AP Plaza ist quasi im Bahnhof unter dem Shanghai Science & Technology Museum beheimatet. Der Markt ist wirklich riesig und nicht in unter 5 Stunden zu durchstöbern. Man bekommt alles was das Herz begehrt, natürlich gefälscht, aber viele Sachen machen einen wirklich guten Eindruck. Verhandeln ist Pflicht. Man kann dabei ruhig 10-20% des zuerst genannten Preises ansetzen. Auch wenn es mal nicht klappt, braucht man keine Angst haben, dass einem ein Schnäppchen durch die Lappen gegangen ist – an der nächsten Ecke wartet schon der nächste Händler mit der gleichen Ware. Alex machte sich auf die Suche nach einer Schutzhülle für das neu ergatterte Iphone. Als ihm eine an seinem Handy angebrachte Holzhülle missfiel, diese sich aber nicht mehr öffnen ließ, wurde sie kurzer Hand aufgebrochen xD. Das Iphone blieb dabei zum Glück unverschont. Wir kauften uns noch ein paar Souvenire und zwei verschiedene Sorten Tee. Den grünen Tee haben wir bereits probiert und können ihn sehr empfehlen (Sorte: Dragon well tea vom West Lake Hangzhou). Abends bereiteten wir uns chinesischen Schweinebauch mit Zwiebeln, Chinakohl und japanische Auberginen zu, bevor wir den Abend bei ein paar Runden Billiard ausklingen ließen.

Samstag besuchten wir eine Reisemesse. Dort waren 8-10 Anbieter von Tages- und Mehrtagestrips vertreten, bei welchen wir uns mit jeder Menge Flyer und ein paar Gutscheinen eindecken konnten. Bei dem anschließenden Spaziergang durch die Innenstadt machten wir Einkehr und verschlangen ein paar Shanghaier Dumplings. Eine Art Teigtasche, die entweder aus Hefe- oder Blätterteig besteht und verschiedenste Füllungen hat. Wir entschieden uns für eine Hack-ähnliche Füllung. Auf dem weiteren Weg zum Bahnhof genossen wir die herrliche Lichtstimmung an diesem Tag. Noch schnell bei der Poststation vorbeigeschaut, machten wir uns auf dem Weg zu Amy´s Brillenladen, welcher uns wärmstens empfohlen wurde. An der richtigen Mall angekommen, fuhren wir mit dem Aufzug in den vierten Stock. Was uns dort erwartete war wirklich unglaublich. Das ganze Stockwerk dieser Mall besteht aus Optikgeschäften. In Summe müssen es ca. 200 Optiker sein, die sich dort niedergelassen haben. Wir trafen Amy in ihrem Geschäft an und probierten ein paar Brillen aus. Die Auswahl ist wirklich groß und die Preise betragen etwa 20% vergleichbarer Modelle in Deutschland (inkl. Gläser). Nach ein paar Fotos mit den verschiedenen Modellen für unsere besseren Hälften, verabschiedeten wir uns von Amy mit dem Versprechen wieder zu kommen. Draußen setzen wir uns noch auf den Bahnhofsvorplatz, um das Treiben etwas zu beobachten. Dabei ertappten wir zwei Mädchen, wie sie versuchten, ein Selfie mit uns zu machen. Natürlich standen wir gerne für ein Foto mit den beiden zur Verfügung. Im Gegenzug schossen wir aber auch eines mit den beiden =). Anschließend in die Metro und ab nach Hause, wo wir den Rest des Wochenendes in Ruhe angingen.

 

 

 

Smog oder Fog – das ist hier die Frage

Die erste Woche in Shanghai liegt hinter uns. Sie war geprägt von Hitze, Feuchtigkeit, der Suche nach einer SIM-Karte, dem ersten (und zweiten) Besuch der Uni, einem Eishockeymatch, einem Grillenkampf, scharfem und auch seltsamen Essen, neuen Bekanntschaften und einem Umzug. Aber nun erstmal von Vorne:

Unseren ersten richtigen Ausflug unternahmen wir in die Gegend unserer Unterkunft. Wir wollten uns etwas zur Reinigung unseres Appartments besorgen. Dabei entdeckten wir einen Supermarkt direkt um die Ecke, der seitdem unsere Versorgung sichert. Putzmaterialien wurden gekauft und unser Appartment auf Hochglanz poliert. Leider gelang es uns nicht sämtliche Gerüche zu entfernen. Daraufhin sprachen wir das Hotelpersonal an. Im nächsten Moment kam schon der Handwerker und verfugte unsere Toilette neu. Als dies auch nichts brachte, bekamen wir das Appartment nebenan, in welches wir am Samstag umgezogen sind. Trotz der kleineren Komplikationen, sind wir mit der Unterkunft und auch der Anbindung sehr zufrieden.

Am Mittwoch unternahmen wir einen Ausflug in die Altstadt Shanghais. Nachdem wir uns einer Übersicht über die 14 (!) Metro-Linien verschafft hatten, fuhren wir Richtung YuYuan-Garden und dem Touristen-Bazar. Von dort aus unternahmen wir einen Spaziergang durch die Altstadt, welcher uns zu einem Kleintiermarkt brachte, auf welchem massenweise Grillen verkauft wurden. In China sind Grillenkämpfe wohl Tradition und es wird zum Teil um viel Geld gewettet. Kurz überlegten wir, ob wir 5 Yuan (ca. 65 cent) investieren sollten um in dieses Geschäft einzusteigen. Wir entschieden uns dann aber doch für die Rolle des Zuschauers und setzen unseren Spaziergang fort. Er endete in Xin Tiandi, einem wunderschönen Viertel aus alten Steinhäusern, dass jedoch mit vielen internationalen Lokalen (z.B. Paulaner Biergarten) eher abstoßend wirkt. Fazit: Wunderschöne Architektur, weniger schöne Inhalte… An diesem Tag sahen wir erstmals was mit Smog gemeint ist. Die Spitze des Shanghai Tower (mit 632m das zweithöchste Gebäude der Welt) war nicht mehr zu sehen, nur noch die Leuchtschrift schimmerte durch den Dunst.

Mittlerweile waren wir auch schon an der Uni, wobei der erste Ausflug wenig einladend war. Die Gebäude machen äußerlich einen alten Eindruck, innen ist es aber dafür um so moderner. Am Donnerstag wurden wir offiziell an der Uni begrüßt und erhielten erste Informationen zum Campus und zu unseren Semesterprogramm. Noch ein prüfender Blick über die Kursauswahl (ein paar kleine Änderungen waren notwendig) und schon sind wir Studenten der Shanghai University. Anschließend wollten wir unseren Studiausweis abholen. Da aber die Maschine nicht funktionierte, sollten wir am Freitag noch mal kommen. Abends konnten wir dann bei leckeren chinesischen Buffet auch einige unserer Mitstudierenden näher kennenlernen. Obwohl die meisten aus dem deutschsprachigen Raum stammen, wurde (zu unserer Freude) die meiste Zeit Englisch am Tisch gesprochen. Wir probierten alle Gerichte, die uns serviert wurden, sogar die Hühnerfüße – bei denen wird es aber wohl beim Probieren bleiben. Andere Sachen möchten wir wieder Essen, z.B. karamelisierte Süßkartoffeln oder fritierten Kürbis. Falls wir es uns mit den Hühnerfüßen doch anders überlegen, gibt es im Automat ein Stockwerk über uns ein paar eingeschweißte im Automat =)

Nachdem wir uns am Freitag unsere Studiausweise abgeholt hatten, machten wir uns auf die Suche nach einer chinesischen SIM-Karte. Angeblich sollte es an jeder Ecke Shops geben, bei denen man Telefonkarten erhält. Die Suche gestaltete sich allerdings etwas schwieriger als gedacht. Es gibt zwar viele Ecken in Shanghai, allerdings gibt es nur an wenigen Ecken Mobilfunkanbieter. Meistens sind sie jedoch in der Nähe von Handy-Shops zu finden. Unsere erster Anlaufstelle war ein Shop von China Unicom. Der Tarif erschien uns allerdings etwas zu teuer (ca. 9€/Monat), sodass wir uns auf den Weg zu China Mobile machten. Dort teilte man uns jedoch mit, dass man keine Verträge für Iphones abschließen könne. Also doch wieder zurück zu China Unicom und denn Vertrag abgeschlossen… Wieder im Appartment angekommen, trafen wir uns noch mit dem Verwalter des Appartmenthauses um ein paar Dinge für die Registrierung bei der Polizei zu klären. Da wir Off-Campus leben, müssen wir uns innerhalb von 30 Tagen bei der chinesischen Polizei registrieren lassen.

Unser Samstagsausflug brachte uns nach Pudong. Dort erwartete uns ein Eishockeymatch der russischen Kontinental Hockey League. Die Kunlun Redstars aus Peking trafen auf Jokerit Helsinki. Mit über 7300 km Distanz ist es das wahrscheinlichst weiteste Auswärtsspiel, dass wir je gesehen haben. Eishockey hat hier (noch) nicht die Popularität wie bei uns, trotzdem war das Stadion nicht schlecht gefüllt. Auf den Rängen ein Familienevent, sahen wir auf dem Eis ein unterhaltsames Spiel. Es gab schöne Tore, einen Faustkampf und sogar eine zersplitterte Scheibe nach einem Check. Letztlich gewann der Favorit aus Helsinki mit 4:1. Erwähnswert ist, dass man im Stadion weder Drinks noch Snacks erhält. Man bringt seine Verpflegung einfach selbst mit.

Den Sonntag verbringen wir bis jetzt auf unserem Appartment. Alex schreibt seinen Semesterbericht für die Stiftung, die Waschmaschine dreht sich mit unserer Wäsche und wir suchen nebenbei ein bisschen nach Ausflugzielen für unsere Ferien Anfang Oktober. Scheint ein bisschen so, als würde der Alltag einkehren. Morgen startet die Uni – wir sind gespannt!

Ni Hao Shanghai!

Willkommen in Shanghai!

Hier die Eindrücke der ersten 24h im Reich der Mitte:

Pünktlich setzte der A380 auf dem International Pudong Airport auf und wir waren in China angekommen. Nun nur noch die Einreisekarte ausgefüllt und dann nichts wie ab zur Einreisekontrolle. Nach etwas warten in der Schlange ging es problemlos rein ins Land. Das Gepäck wartete schon auf uns, sodass wir uns nur noch unsere ersten Yuan abheben mussten, um mit dem Taxi in unser Appartment zu kommen. Am Taxistand war erstmal wieder Anstehen angesagt. Bei knapp 30 Grad auf dem Thermometer und 25kg auf dem Rücken, setzte das erste chinesische Schweißtreiben ein. Taxis gibt es zum Glück zu Hauf und wir mussten nicht lange warten, bis wir mit einem VW Santana (gleicht etwa einem Passat der 80er) Richtung Hotel abfuhren. Zum Glück hatten wir die Anschrift in Chinesisch, denn Englisch ist nicht jedermans Sache hier. Vor dem Hotel noch ein Anruf getätigt und schon kam uns der Butler entgegen und brachte uns in unser Appartment im 9.Stock. Dieses liegt nördlich des Stadtzentrums, rund eine Ubahnstunde entfernt vom Zentrum. Auf der Uhr war es mittlerweile halb 2 Nachts, nach einer erfrischenden Dusche, wollten wir nur noch ins Bett.

Unseren ersten richtigen Tag in Shanghai haben wir gleich mal verschlafen. Der erste Blick auf die Uhr zeigte 12.20 Uhr Ortszeit (6.20 Uhr MESZ). Naja halb so wild, heute stand ja noch nichts auf dem Programm. Nach einer ersten Erkundung der Nachbarschaft und dem ersten Café, machten wir uns ein paar Instant Nudeln zum Frühstück. Anschließend noch zum Supermarkt und unser Appartment durchgeputzt, Sachen ausgepackt und uns häuslich eingerichtet. Am ersten Abend wollten wir natürlich unbedingt die Skyline Shanghais sehen und machten uns mit der Metro auf den Weg Richtung People Square. Umgeben von Wolkenkratzern verloren wir zuerst etwas die Orientierung, erreichten aber unser Ziel am Bund und waren überwältigt von der Skyline. Nach einem Spaziergang an der Uferpromenande, bei welchem wir an gefühlt 15 Brautpaaren (alle Bräute in Rot gekleidet) beim Fotoshooting vorbei schlenderten, knurrte uns der Magen. Ganz nach chinesischer Manier machten wir Einkehr und bestellten uns 4 Gerichte uns 2 große Tsingtao. Wir schafften nicht einmal die Hälfte des Essens… =) Dafür zahlten wir anfänglich auch nur knapp die Hälfte, bis uns 500m entfernt vom Lokal unsere Bedienung hinterherlief und meinte, dass bei der Abrechnung etwas schief gelaufen sei und wir deshalb umgerechnet 5€ zu wenig bezahlt hätten. Jedoch hatten wir nur „große“ Scheine an Geld, weshalb wir Kehrt machten uns zum Bezahlen des Restbeitrags ins Restaurant zurückkehrten. Anfänglich fühlten wir uns wie Zechpreller, nachdem die Bedienung aber das ganze Lokal über das Missverständnis aufgeklärt hatte, hatten alle etwas zum Lachen.