Ein Ende in Sicht

Nun ist die Zeit doch eher verflogen (außer letzten Samstag, dazu später mehr) und unser gemeinsames Abenteuer im Ausland neigt sich dem Ende. Die letzten Wochen waren geprägt von unserem Fleiß für die Anschlussarbeiten in der Uni und dennoch der ein oder anderen kleinen Entdeckungstour hier in Shanghai.

In drei Fächern mussten wir Hausarbeiten zum Abschluss als Studienleistung einreichen, einzig in Chinesisch galt es eine mündliche und schriftliche Prüfung abzulegen. Im Fach „Social Changes in contemporary China“ durften wir über unsere Präsentation zum Thema Urbanisierung in China schreiben. Hierbei haben wir uns über die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten und die Auswirkungen für die in den Städten Lebenden Menschen ausgelassen. Vor einigen haben wir bereits ausgiebig über diese Landflucht und die damit einhergehenden für uns unvorstellbaren Dimensionen berichtet. Im Fach „Foreign Trade of China“ durften wir uns eine Thematik zum Außenhandel zwischen China und Deutschland frei aussuchen. Matti hat das Thema seltene Erden gewählt. Hierbei handelt es sich um wertvolle Elemente, die in nahezu jedem Elektronikartikel verwendet werden. Diese Materialien befinden sich in geringen Mengen in bestimmten Gesteinen, die hier in China gefördert werden. In den letzten Jahren kam es dabei zu einem Monopol Chinas auf dem Weltmarkt. Folge dessen war, dass z.B. Osram hier in China in das Bergbaugeschäft eingestiegen ist, um sich einen Zugriff auf die seltenen Erden zu sichern. Alex hat sich in dieser Abschlussarbeit mit der Lieferung von chinesischem Stahl nach Deutschland bzw. in die EU befasst. Stahl hat in China einen besonderen Stellenwert, im Zuge des Bau-Booms der letzten 15 Jahre wurden die Produktionsmöglichkeiten extrem erweitert. China allein produziert nun so viel Stahl wie der Rest der Welt zusammen, mittlerweile aber auch mehr als es benötigt. Deshalb ist der Stahl in den letzten Jahren zur Ursache häufiger Handelsstreitigkeiten und damit verbundener Schutzzölle auf beiden Seiten geworden. In dem Kurs „Intercultural Business Communication“ durften wir uns ebenfalls einen Fall zum Thema interkultureller Konflikt in Unternehmen aussuchen. Wir haben uns hierbei mit dem Einfluss chinesischer Investitionen auf die Sozialpartnerschaft in Deutschland am Bespiel des Augsburger Roboterbauers KUKA beschäftigt. Dieses Unternehmen wurde im letzten Jahr von dem chinesischen Hausgerätehersteller Midea gekauft. Im Gegensatz zu einigen anderen Unternehmen, wo es nach dem Chinesischen Investment schnell zu Problemen und Konflikten kam, ist es bei KUKA verhältnismäßig ruhig geblieben. Im Vorfeld wurden zwar diverse Bedenken von Gewerkschaftern und auch Politikern geäußert, die jedoch nicht eingetreten sind. Wir haben diesen Fall analysiert und festgestellt, dass wohl im Vorfeld verschiedene Lösungen gefunden wurden, um einen interkulturellen Konflikt zu vermeiden. So wurde z.B. ein Investment Agreement angeschlossen, welche u.a. die Unabhängigkeit KUKAS von Midea sichert. Auf kultureller Ebene dient dies der Langzeit-Orientierung der Deutschen und der Chinesen. Außerdem wurde darauf verzichtet ein Chinesisches Management einzusetzen, welches möglicherweise zu großer Unsicherheit bei Mitarbeitern und Betriebsräten geführt hätte. Letztendlich hat also ein Einfluss der Investoren stattgefunden, mit dem man jedoch sicher umgegangen ist. Deshalb dient der KUKA-Fall europaweit als positives Beispiel für die immer häufiger vorkommenden Chinesischen Investitionen. Dennoch sollten wir an dieser Stelle erwähnen, dass in der letzten Woche das deutsche Management traurigerweise den Abbau von 250 Stellen angekündigt hat. Ein weiterer wesentlicher Punkt in den letzten Wochen in der Uni war unsere Präsentation zum Thema Kulturschock. Da es für beide von uns nicht der erste Aufenthalt in Asien war, sind wir keinem richtigen „Schock“ verfallen, dennoch haben wir verschiedenste neue Sachen beobachtet und waren immer mal wieder verwundert. Einiges davon haben wir euch bereits berichtet und mit Fotos bewiesen 😉 In unserer Präsentation haben wir uns auf die Themen Umgang mit Lebensmittel und Tieren und die uns entgegengebrachte Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen hier bezogen. Beim ersten Thema konnte wir einige Beispiele nennen, die uns sehr verwundert haben: Etikettierte lebende Fische, Schildkröten im Supermarkt, Goldfische in Blumenvasen und auch echtes Hundefleisch. Interessant jedoch, dass die Chinesen viel Wert auf Lebensmittelsicherheit legen. Jedes Restaurant, Imbiss etc. wird einer Bewertung unterzogen, das Ergebnis wird in Form einer Ampel dann vor Ort ausgestellt. Zum Thema der Herzlichkeit hatten wir auch diverse Beispiele aus unserem Aufenthalt hier: die Gastfreundschaft in dem Dorf, wo wir unsere Ferien verbracht und interessante „Gespräche“ hatten, die netten und stets hilfsbereiten Menschen in unserem Apartmenthaus und verschiedenste zufällige Begegnung auf den Straßen Shanghais.

In der letzten Zeit haben wir außerdem nochmal ein paar kleine Ausflüge gemacht, deren Anekdoten nicht unerwähnt bleiben sollen. Vergangenen Donnerstag haben wir uns Teile der Innenstadt angesehen, die wir bisher nicht kannten. So haben wir einen ausgiebigen Spaziergang im Französischen Viertel unternommen und versteckte Gassen mit kleinen Lädchen und französische Architektur aus dem 20. Jahrhundert bestaunt. Zu dieser Zeit haben verschiedenste Kolonialmächte s.g. Handelskonzessionen in Shanghai aufgebaut um den Einfluss auf China zu sichern und den eigenen Handeln zu stärken. Der Ursprung des Viertels ist also nicht die schönste, allerdings werden die schönen Häuser bis heute bewohnt und viele sind außerdem aufwendig renoviert worden, was schöne Anblicke bietet. Anschließend sind wir zum China Art Museum gefahren. Dies befindet sich im auffälligen roten Pavillon Chinas, der zur Expo 2010 errichtet wurde. Ein von außen monumentaler Bau, aus der Nähe mussten wir jedoch feststellen, dass uns das rote Wellblech eher an ein Möbelhaus erinnert. Innen erwarteten uns verschiedenste Kunstobjekte aus verschiedenen Zeiten, leider macht die bloße Menge ausgestellter Objekte ein Museum noch nicht sehenswert…

Am vergangenen Freitag haben wir dann einen Ausflug zum Muslim Market unternommen. In der Nähe einer Moschee in Shanghai findet jeden Freitag ein Markt statt, mit verschiedensten muslimischen Köstlichkeiten und Produkten. So gab es gegrillte Lammspieße, gefüllte Brottaschen aus einem Rundofen, Reisgerichte mit Lammfleisch und eine riesige Auswahl an traditionellen Süßigkeiten. Wir haben uns dort mit Piotr und Edita verabredet, mit denen wir am Abend noch traditionell Chinesisch Essen gegangen sind. Nicht, dass wir schon ausreichend zu essen hatten an diesem Tag, aber wir wollten unseren letzten Tag in der Uni feiern. Für den halbstündigen Weg zu Restaurant haben wir uns noch schnell ein Wegbier besorgt und los ging es. Das Essen war sehr lecker und klassisch, dazu tranken wir ein, zwei Bier. Zum Verdauen noch einen Reisschnaps… und spätestens hier wird jeder wissen, wie die Geschichte endet! Auf dem Weg heim haben wir an gefühlt jeder Ecke und jedem Supermarkt einen Stopp eingelegt. Nachschub und kurze Trinkpause – wir wollten den beiden Mal zeigen, wie man in Hamburg richtig „cornert“. Selbstlos haben wir uns dieser Aufgabe hingegeben und den Rückweg zu einer 3-stüdnigen Odyssee ausufern lassen, die schließlich in der mobilen Karaoke-Kabine vor unserem Haus und dem Erwerb eines 1000-jährigen Ei aus dem Automaten endete! Ein herrlicher und lustiger Abend, der seinen Tribut forderte: So schnell die Zeit verflog, der folgende Samstag war ein schwerer und quälend langer Tag für uns…

Dennoch sind wir nun am Ende unseres Auslandsstudiums angelangt. Wir werden uns nun noch für die nächsten drei Wochen mit Michaela und Christoph auf Entdeckungsreise in andere Teile Chinas begeben.

Wir hoffen wir konnten euch mit unserem Blog die ein der Andere Erkenntnis liefern, euch unterhaltsame Stunden bereiten, dazu beitragen ein paar Vorurteile abzubauen und vielleicht sogar Lust dazu bereiten, dieses wundervolle Land selbst einmal zu bereisen!

再见     zàijiàn   Auf Wiedersehen

Liebe Grüße

Matti und Alex

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Ein Tag im Yangtze Delta

Nachdem der erste Anlauf das Yangtze Delta zu erkunden (wegen zu starkem Wind) vor ein paar Wochen gescheitert war, glückte unser sonntäglicher Anlauf dieses Mal. Mit dem Bus 728 machten wir uns auf den Weg zum Wusong Ferry Terminal in Baoshan. Dort angekommen hatten wir die Qual der Wahl zwischen drei Inseln, die im Yangtze-Delta vor Shanghai liegen: Chongming, Changxing, Henzhan. Ursprünglich wollten wir nach Chongming Island, der zweitgrößten Insel Chinas. Leider machte uns aber der Fahrplan einen Strich durch die Rechnung, da die nächste Fähre dorthin erst drei Stunden später gehen sollte. So entschieden wir uns für die Fahrt nach Changxing Island. Die Mittlere der drei Inseln ist für ihren Orangenanbau in ganz China bekannt.

Zuerst mussten wir uns aber noch 1,5 Stunden beschäftigen, bevor die Fähre ablegen sollte. Wir machten einen kleinen Spaziergang durch das Hafenviertel von Baoshan. Dabei entdeckten wir neben einem Tiermarkt ein paar Herren, die sich in einem Park mit ihren Vogelkäfigen trafen. Als Resultat der rapiden Urbanisierung, ist der Platz für Haustiere stark geschrumpft. Was die Leute aber nicht davon abhält trotzdem welche zu haben. Vögel werden in kleinen Käfigen gehalten. Sie zwitschern jedoch nur ausgiebig sobald sie auf andere Artgenossen treffen. Aus diesem Grund gehen die Herrschaften mit ihren Vögeln morgens in den Park und hängen die Käfige entweder in Bäume oder an vorbereitete Stangen. Vor lauter Freude über die anderen Artgenossen ist das Gezwitscher dann ziemlich groß.

So vergingen die 1,5 Stunden bis zur Überfahrt nach Changxing ziemlich schnell. Pünktlich um 11 Uhr legte unsere Fähre ab und machte sich über den Huangpu River auf den Weg zum Yangtze Delta, in welches der Huangpu nach seiner Shanghai-Durchquerung mündet. Auf dem Weg dorthin gab es ziemlich viele Schiffe zu sehen. Vom Fischerboot über Fregatten bis hin zum Containerschiff ist wirklich alles unterwegs, bzw. liegt vor Shanghai vor Anker. Sobald man in das Yangtze Delta einfährt, werden einem die Ausmaße des Shanghaier Hafens erstmals bewusst: Hafenkräne und Werften soweit das Auge reicht. Auch die Ufer der Inseln sind mit Hafenkränen gespickt. Hier werden die Vorteile der Erschließung durch Tunnel und Brücke vor ein paar Jahren ausgenutzt. Zu unserem Unbehagen durften wir den „Saloon“ während der Überfahrt leider nicht verlassen, sodass wir nur ein paar Handyschnappschüsse durch das Fenster machen konnten. Auffallend war, dass wir nahezu keine Vögel (Möwen) zu sehen bekamen. Ob das auch eine Folge des Baubooms Shanghais ist!?

Nach einer guten halbe Stunde kamen wir am Fähranleger von Changxing Island an. Vor Ort erwartete uns das selbe Bild wie auf dem Festland. Viel Industrie, Baustellen und hier und da ein paar Einzelhändler. Nachdem wir ein bisschen verwirrt umhergeliefen waren, hielt vor uns ein Bus. Kurz entschlossen entschieden wir uns einzusteigen und die Insel vom Bus aus zu erkunden. An den Straßen nahmen wir auch erstmals die ausgiebiegen Orangenplantagen wahr, deren Früchte an nahezu jeder Strassenecke verkauft werden. Wir passierten ein paar Ortschaften und ein paar Werften. Erstaunlicherweise sind die Straßen auf der Insel sehr gut ausgebaut. Autobahnähnlich geht es über mehrere Spuren von Dorf zu Dorf. Wahrscheinlich ein Vorbote der bevorstehenden industriellen Erschließung, die an einigen Stellen schon begonnen hat.

Letztlich erreichten wir die Endhaltestelle der Buslinie, welche in den Bussen Shanghais mit einer lieblichen Melodie angekündigt wird. Neben uns, saßen zu diesem Zeitpunkt noch zwei andere Menschen im Bus. Als wie ausstiegen, stellten wir fest, dass die beiden auch wie „Touristen“ aussahen, daher entschieden wir uns sie in chenglish (halb chinesisch/ halb englisch) anzusprechen. Wie sich herausstellte, waren sie auf der Suche nach einem Stein, welcher mit chinesischen Schriftzeichen versehen ist. Nachdem in der Ortschaft wo wir ausstiegen, neben ein paar Bauruinen nichts zu sehen war, schlossen wir uns den beiden an. Der Spaziergang führte durch ein anderes Dorf, in welchem wir das erste Mal Hundefleisch zu sehen bekamen. Unsere beiden Mitspazierer versicherten uns, dass sie keinen Hund essen würden, zumal das Fleisch nicht sehr sauber seie. Eine wirklich komische Erfahrung. An der nächsten Kreuzung kauften die beiden ein Kilo Orangen, dass sie anschließend in unsere Taschen steckten. Wir ließen uns die Orangen auf dem weiteren Weg schmecken. Nach weiteren 20 Minuten Spaziergang kamen wir am Fischereihafen der Insel an. Dieser ist eigentlich umzäunt und die vorgelagerten Piers sind mit Gittern abgesperrt. Am Pier 2 stand das Gitter allerding offen und wir konnten auf den Pier gelangen. Dort lag einen Krabbenfischerboot vor Anker, deren Crew gerade das Equipment checkte um Abends wieder Richtung Yangtze auszulaufen. Noch ein paar Fotos auf dem Pier gemacht und anschließend den Spaziergang zu besagtem Stein fortgesetzt.

Leider machte uns ein abgesperrtes Tor ein Strich durch die Rechnung. Jedoch gelangten wir durch Übersteigen einen Hochwassertores in einen Park, durch welchen wir den Weg fortsetzen konnten. Als ich die beiden beim Übersteigen des Tores fotografiert hatte, sprachen sie mich darauf an, dass ich das Foto nicht weiterverbreiten soll. Daraufhin sagte ich, dass ich es an Xi Xinping schicken werden – alle lachten herzhaft auf. 500 Meter später erreichten wir den Stein am Ende des Parks. Die Freude bei den beiden war sehr groß und sie versuchten uns zu erklären, was das Besondere an diesem Stein ist. Wir verstanden es nicht ganz, werden aber unsere chinesischen Buddys noch mal fragen.

Nachdem wir noch ein paar Minuten die Aussicht genossen haben, verabschiedeten wir uns von den Beiden und machten uns auf dem Weg zum Fährhafen im Osten der Insel. Von dort aus wollten wir mit der Autofähre nach Henzhang Island übersetzen und von dort aus die Fähre zurück nach Shanghai nehmen. Der Plan mit der Autofähre ging auf. Der Plan von Henzhang nach Shanghai zurückzukommen jedoch nicht. Im Fährterminal von Henzhang antworte man uns auf die Frage nach einer Fähre nach Shanghai nur „Meiyou“. Was soviel heisst wie „es gibt keine“. Also blieb uns nichts anderes übrig, als mit der selben Fähre, mit der wir gekommen waren, zurückzukehren. Mit an Board war auch ein Bus, der wohl auf dem Weg zum Busbahnhof auf Changxing Island war. Mittlerweile war es 15.50 Uhr und wir wussten, dass die letzte Fähre nach Shanghai um 16.30 Uhr gehen würde.  Wir sprachen den Busfahrer an, ob er bis zum Fährhafen im Westen der Insel fahren würde. Er bejahte. Also stiegen wir auf der Fähre in den Bus ein – ein ganz neues Erlebnis von öffentlicher Personenbeförderung. Wieder auf Changxing angekommen, zahlten sich die Vorteile der ausgebauten Straßen aus. Mit 70 km/h fuhr der Bus über die Insel. Leider kamen wir jedoch nicht am Fährhafen an, sondern an einem Busbahnhof in der Mitte der Insel. Ein Blick auf die Uhr (16.15 Uhr) verriet uns, dass wir es nicht mehr pünktlich zu unsere Fähre schaffen würden. Der Busfahrer signalisierte uns per Handzeichen den anderen Menschen zu folgen. Alle waren auf dem Weg zu einem weiteren Busterminal, von welchem wohl Busse nach Shanghai abgehen sollten. Es gab zwei Auswahlmöglichkeiten. Es kam wie es kommen musste – wir stellten fest, dass wir uns in der falschen Reihe angestellt hatten. Der Bus bei der anderen Reihe war aber mittlerweile schon eingefahren und die Leute eingestiegen. Wir kämpften uns durch unsere Reihe in die entgegengesetze Richtung zwischen den Gittern hindurch, streckten ein paar Münzen über den Tresen und konnten den Bus nach Wusong gerade noch so erreichen.

Als der Bus abfuhr, wurden uns die Vorteile des Straßennetzes Shanghai nochmals vor Augen geführt. Über 6 Spuren geht es durch einen 9 km langen Tunnel unter dem Yangtze hindurch aufs Festland. Ein Blick ins Internet verriet uns, dass sich unter der Straßenröhre eine weitere Röhre befindet, in der demnächst sogar eine Metrolinie zu den Inseln verkehren soll. Der Bus fuhr bis Wusong durch und stoppte ca. 150m von dem Fährterminal, bei welchem wir morgens gestartet waren.

Letzlich ein spannender Ausflug mit einer neuen Erkenntnis: Die Shanghaier machen auf uns einen sehr stolzen Eindruck, wenn es um das Straßennetz oder den öffentlichen Nahverkehr geht. Das ist sicherlich der Hauptgrund dafür, dass sie einen ein wenig verdutzt anschaut, wenn man ihnen mitteilt, dass man unbedingt die Wasserwege nutzen möchte. Für uns ist die Fähre eine gelungene Abwechslung mit einer tollen Aussicht, während sie für Chinesen einen Zeitfaktor darstellt, der mit Bus und Metro viel schneller zu überbrücken ist. Ein klassischer Kulturunterschied.

 

 

 

 

In die gelben Berge wollen wir!

Yellow Mountains!? – Die müssen doch sicherlich gelb sein. Mit dieser Erwartung starteten wir in unseren Wochenendtrip nach Huangshan in die Anhui Provinz. Nach 1,5-stündiger Metrofahrt, einmal quer durch die Stadt, kamen wir am Treffpunkt an. Es stellte sich heraus, dass die Endstation der Linie 1 ein guter Ausgangspunkt für Bustrips ins Hinterland Shanghais ist, da man direkt auf den Highway auffahren kann und somit dem massiven Verkehr in der Innenstadt aus dem Weg geht.

Neben ca. 30 anderen Mitreisenden machten sich diesmal auch Edyta und Piotr, unsere beiden Nachbarn aus Polen, mit uns auf dem Weg gen Westen. Wir nennen sie liebevoll auch Oiski und Poiski =). Am Freitagabend galt es die 600 km nach Huangshan City zu absolvieren. Jedoch war es um 18.00 Uhr schon dunkel, sodass wir außer dem Häusermeer von Hangzhou auf dem Weg nicht viel zu sehen bekamen. Wir entschieden uns deshalb für einen bisschen Entspannung im Bus, in Form von Lesen oder Schlafen. Am ersten Raststopp schnappten wir uns noch ein paar Hähnchenspieße und weiter ging die Reise. Dabei mussten wir an einen interessanten Fakt denken, der einmal mehr die Dimensionen dieses Landes verdeutlicht: In China werden täglich ca. 6.000 Bäume nur für Chop-Sticks und Grillspieße gefällt! Einfach unvorstellbar…

Gegen 23.30 kamen wir in unserem Hotel an. Kurz eingecheckt, das Zimmer aufgesucht und den Tag ausklingen lassen.

Am Samstag stand unser Hike auf dem Mount Huangshan bevor. Zuerst ging es eine halbe Stunde mit dem Bus Richtung Norden. Dort kamen wir an einem Busparkplatz an, wo wir in einen anderen Bus umsteigen mussten, der uns zum Ausgangspunkt unserer Wanderung bringen sollte. Die vielen Absperrgitter vermittelten uns bereits hier einen Eindruck davon, wie beliebt dieser Berg ist. Mit besagtem Bus ging es dann die ersten Höhenmeter nach oben. An der Haltestelle am Berg angekommen, mussten wir uns entscheiden ob man die Seilbahn nimmt oder per Fußmarsch den Berg erklimmt. Ein kurzer Blick auf den Höhermesser verriet uns, dass ca. 1.000 Höhenmeter bevorstanden. Trotzdem entschieden wir uns für den Fußmarsch. Die ersten 3 Stunden ging es steil Berg auf und zum Teil sah man nur Treppen und andere Füße vor sich. Schnell bekam man einen Eindruck davon, wie viele Menschen diesen Berg erklimmen wollen. Jung und Alt machten sich mit uns auf den Weg nach oben. Dabei ist es wirklich von Vorteil, dass alle Wege sehr gut ausgebaut sind. Man kann an der Einen oder anderen Stelle eine Verschnaufpause machen oder die breiten Treppen für ein Überholmanöver nutzen. Zwischendurch begegnen einem auch immer wieder Arbeiter die mit einer geschulterten Bambusstange verschiedenste Dinge hoch und runter tragen. Von Benzin über Klopapier bis zu unserem Abendessen ist da alles dabei.

Auch für Leute, die zwischendurch nicht mehr können werden Angebote geschaffen: Für umgerechnet 30€ kann man auf einem Baststuhl Platz nehmen und wird den nächsten Abschnitt von zwei Herren nach oben getragen. In dem Moment fragten wir uns dann, ob man oben wohl auch ein Milchbad bekommt, sowie einst Cleopatra.

Nach 3 Stunden hatten wir die ersten 8km geschafft und fanden uns mit dem Rest der Gruppe zusammen, die bis dorthin mit der Seilbahn gefahren war. Der Treffpunkt lag auf einem Sattel. Hier merkten wir zum ersten Mal, dass es in China auch kalt werden kann. Daher packten wir für die verbleibenden 7km unsere Wintermützen aus. Der Lohn für den harten Aufstieg kam nach ein paar weiteren Treppen: Atemberaubende Ausblicke auf eine bizarre Landschaft, deren Täler in Nebelschwaden kaum zu erkennen waren. Seht euch die Fotos einfach selbst an.

Als es langsam dunkel wurde und wir uns über ein paar weitere Aussichtspunkte auf dem Weg zum Hotel machten, wurden uns einmal mehr die Nachteile des chinesischen Massentourismus bewusst. Zum Teil waren die Pfade so voll, dass über Minuten gar nichts ging, weder vor noch zurück. Dafür wurden wir aber mit einem bezaubernden Sonnenuntergang belohnt, was jedoch gleichzeitig auch bedeutete, die letzten Meter bis zum Hotel im Dunkeln zurückzulegen. Während im Westen die Sonne unterging, ging unterdessen im Osten der Mond auf. Den Mondaufgang in einer Schlange mit tausenden Chinesen, die alle zur Seilbahn wollen, war wirklich ein neues Erlebnis für uns. So kam es wie es kommen musste und wir benötigten für die letzten 500m knapp weitere 1,5 Stunden.

Am Hotel kamen wir etwas durchgefroren an, was wir jedoch mit einer warmen Mahlzeit und einer noch wärmeren Dusche im Nu wegmachten.

Der nächste Tag startete bereits um 5.30 Uhr. Wir starteten zum Aussichtspunkt für den Sonnenaufgang. Dieser ließ nicht lange auf sich warten und tauchte die Felsen in eine wunderschöne Morgenröte. Nach einem kleinen Frühstück mit Toast, Marmelade und Kaffee machten wir uns auf den Weg nach unten. Diesmal nahmen wir allerdings die Seilbahn. Auf zur Seilbahnstation, mussten wir abermals gegen die aufsteigenden chinesischen Massen anlaufen, die sich mit ihren Reiseführern und den dazugehörigen Headsets und Megaphonen versuchen den Weg freizuschreien. Von wegen idyllische Ruhe in der Natur…

Unten angekommen machte uns ein Schild auf einen Wasserfall und eine heiße Quelle aufmerksam. Die heiße Quelle stellte sich als Schwimmbad heraus und der Wasserfall als Rinnsal, was Piotr allerdings nicht davon abhielt noch ein erfrischendes Bad im Fluss zu nehmen (die Wassertemperatur betrug ca. 15 Grad). Nachdem auch alle anderen gesund und munter unten angekommen waren, machten wir uns zurück auf den Weg nach Huangshan City. Dort erkundeten wir noch die Old Street, eine 800 Jahre alte Einkaufsstraße, in welcher wir Mittag zu uns nahmen und Alex noch ein traditionelles chinesisches Instrument für seine Band erbeutete. Den Rückweg nach Shanghai nutzten wir um diesen Blogeintrag zu verfassen. In diesem Sinne: Viele Grüße aus dem Gōnggòngqīche!

Ach ja, auch das Rätsel um die gelben Berge wollen wir natürlich noch auflösen. Sie sind benannt nach dem Yellow Emperor, der hier 2500 v. Chr. wohl zum Himmel aufgestiegen ist und mittlerweile als Vorfahre aller Chinesen gilt.

 

Lernen für das Leben, nicht für die Prüfung

„Oha, ist das wirklich unsere Uni?“ So ungefähr war der erste Eindruck, als wir vor mittlerweile 7 Wochen zur Einführungsveranstaltung am Yanchang Campus der Shanghai University erschienen. Trotz des imposanten Eingangstores machten die in Jahre gekommenen roten Klinkergebäude auf dem Campus wenig Eindruck. Bei einem ist die Dachrinne durchgerostet, beim nächsten Gebäude stehen lediglich noch die Grundmauern (es stellte sich später heraus, es ist vor wenigen Jahren abgebrannt). Jedoch sollte man Institutionen, ebenso wenig wie Menschen, nur nach ihrem Äußeren einschätzen. Die Einrichtung in den Klassenräumen ist besser als zunächst erwartet und bietet die üblichen Lehrmaterialien wie Tafel und Beamer und Klimaanlage(!). Allerdings mussten wir auch feststellen, dass die Bestuhlung deutlich kleiner und enger ist, als wir es gewohnt sind. Trotz Pausen sind die 3,5 stündigen Vorlesungen kein Genuss für Gelenke oder Bandscheiben. Das soll es dann aber auch gewesen sein mit der Meckerei.

Die Shanghai University wurde 1922 gegründet, beschäftigt etwa 4.000 Mitarbeiter und 35.000 Studierende, davon fast 4000 aus dem internationalem Ausland. Auf den drei Campussen sind 71 Forschungsinstitute sowie 309 unterschiedliche Studiengänge angesiedelt. Diese Zahlen sind tatsächlich vergleichbar mit der Universität Hamburg, allerdings ist die Anzahl an Universitäten in Shanghai und Studierenden insgesamt deutlich größer als in Hamburg. Der Baoshan Campus ist der neueste und größte Campus der SHU und dient als Erweiterung der Bisherigen. Auch die Mensa ist sehr überzeugend, die Auswahl an frisch zubereiteten Mahlzeiten ist groß, die Preise dagegen klein. Dennoch wird auf unserem Campus viel gewerkelt und renoviert, damit auch in den nächsten Jahren der Uni-Betrieb weitergehen kann.  Dies hat jedoch leider zur Folge, dass sich bei uns relativ wenig chinesische Studierende aufhalten, sodass wenig Austausch zustande kommt. Stattdessen haben wir erfreulicherweise chinesische Buddys zugewiesen bekommen. Über unsere beiden Buddys Sharry und Betty haben wir bereits berichtet und treffen die beiden nach wie vor gerne um verschiedenste Ecken Shanghais mit den beiden zu erkunden.

Die Austauschagentur Asia Exchange aus Finnland hat uns und ca. 55 anderen Studierenden aus Europa das Studienprogramm vermittelt. Verglichen mit dem Austauschprogramm unserer Heimuniversität ist dieses erfreulich unbürokratisch und die Hürden relativ gering. Andererseits ist es etwas schade, dass wir die Kurse nicht gemeinsam mit chinesischen Studierenden besuchen, sodass wie bereits erwähnt dieser Austausch ein wenig zu kurz kommt. Im Wesentlichen sind wir jedoch gut zufrieden. Wir freuen uns besonders darüber, in der Uni viel über das Land und die Menschen zu lernen. Schließlich ist dies einer der Hauptgründe für unseren Aufenthalt. So kommt es, dass wir die Theorie in der Uni lernen und sie in unserer Freizeit praxisbezogen überprüfen können. Wir bekommen einen nachhaltigen Eindruck und ein neues Verständnis über dieses vielseitige, aufstrebende und aufregende Land – Lernen für das Leben und nicht für eine Prüfung…. Insgesamt besuchen wir an der Uni vier Kurse:

Foreign Trade of China: In diesem Kurs nehmen wir die Wirtschaft Chinas auf den Prüfstand. Im Fokus steht natürlich der Außenhandel in Form von Im/Exporten. Ein besonders interessanter Aspekt sind hier die 5-Jahres-Pläne der kommunistischen Regierung (diese umfassen natürlich weit mehr). In diesen werden konkrete wirtschaftliche Maßnahmen verankert und weniger Wert auf Planzahlen gelegt, wie sie uns aus der Planwirtschaft der DDR bekannt sind. Außerdem stellt China seit seiner wirtschaftlichen Öffnung 1979 eine weltweite Ausnahme in Aufschwung und Vernetzung mit der Weltwirtschaft dar. Der WTO Beitritt in 2001 hat dem ganzen nochmals einen kräftigen Schub gegeben. Manch einer spricht auf vom „Chi-phenomena“.

Social Changes in contemporary China: Das „Reich der Mitte“ (zhong guo – wie China hier genannt wird) hat sich nicht nur wirtschaftlich geöffnet, sondern auch innerhalb des Landes finden viele gravierende Veränderungen statt die sich auf die Gesellschaft und das Leben der einzelnen auswirken. Z.B. sollen 300 Millionen Menschen in den nächsten 8 Jahren in die Städte ziehen, dafür werden Wohnraum und Arbeitsplätze benötigt. Jedoch verhalten sich Menschen in Städten anders, was macht das mit den alten Traditionen dieser Leute und wie wirkt sich das auf die Geburtenrate aus? Und was hat eigentlich die Umwelt damit zu tun? Fragen über Fragen, denen wir hier auf den Grund gehen….

Intercultural Business Communication: Andere Länder, andere Sitten! Diesen Spruch kennt wohl jeder. Jedoch werden in diesem Kurs die Kulturen nicht einfach als gegeben angenommen, sie entstehen. Das führt einerseits zu vielen unterschieden aber auch Gemeinsamkeiten auf dieser Welt. Im Zuge der Globalisierung kommen zunehmend Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen (nicht umsonst sind wir gerade quasi am anderen Ende der Welt). Hier lernen wir, wie wir mit anderen Menschen in Kontakt treten können, was sie über uns denken könnten, wie sie sprechen (z.B. indirekt, versteckte Kritik), reflektieren auch unser eigenes Handeln und Auftreten um letztendlich respektvoll miteinander umgehen zu können.

Chinese Language: „Spreche ich etwa Chinesisch?“ Aufgepasst, demnächst verstehen wir vielleicht sogar ein Brocken und diese Floskel verliert ihre Bedeutung. Jedoch zeigt sie auch, wie unterschiedlich Sprachen tatsächlich sind. Deshalb lernen wir Grammatik, Vokabeln, Aussprache, Pinyin (Lautsprache) die chinesischen Schriftzeichen und natürlich deren Bedeutung. Erfreulicherweise ist die Grammatik recht schlicht, dagegen ist die Aussprache umso schwerer und wir üben fleißig Laute von uns zu geben….

In diesem Sinne lernen wir in den nächsten Tagen weiter und nehmen motiviert unsere Abschlussarbeiten in den Angriff!

Shanghai – an awesome place to study

„Man mag sie oder man hasst sie.“ Dieser Satz passt zu vielen Großstädten dieser Welt. Genauso passt er auch zu Shanghai, der Stadt in welcher wir studieren und derzeit auch leben.

Man sagt, Shanghai ist mit 24 Millionen Einwohnern die größte Stadt der Welt (Tokyo-Yokohama ist nämlich eine Metropolregion und fällt demnach nicht unter Stadt), doch so ganz genau weiß niemand wie viele Leute sich nun wirklich hier aufhalten. Das liegt zum einen an den vielen Wanderarbeitern, die erst nach sieben Jahren die Chance erhalten Shanghainese zu werden. Zum anderen liegt das natürlich auch an den vielen ausländischen Unternehmen und deren Mitarbeiter*innen, die aus der ganzen Welt hierher kommen. Dazu kommen dann noch ein paar ausländische Studis, so wie wir.

Shanghai, was in Chinesisch 上海 Shànghǎi (hoch, über dem Meer) heisst, liegt in einem großen Delta 4m über N.N., das der Jangtsekiang bei seiner Mündung in das Ostchinesische Meer bildet. Heute hat die Stadt eine Fläche von 6340,5 km². Davon gehören 1928,13 km² (30,4 %) zur Kernstadt (Puxi) und den inneren Vororten (Minhang, Baoshan, Jiading und Pudong), 4412,37 km² (69,6 %) bestehen aus äußeren Vorstädten und Gebieten mit ländlicher Siedlungsstruktur. Das gesamte Verwaltungsgebiet ist mehr als doppelt so groß wie das Saarland und hat eine Ausdehnung von ungefähr 120 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und 100 Kilometer in Ost-West-Richtung.

Das Wachstum der Stadt ist atemberaubend. Dazu muss man sich nur vor Augen führen, dass die 1987 gerade einmal 7 Mio (!) Menschen zählte. Damit einher geht ein immenses Wachstum der Infrastruktur. 1995 wurde der erste Abschnitt der Metrolinie eingeweiht. Heute besitzt die Stadt bereits 14 Metrolinien mit nahezu 300 km Schienennetz. Die überall verkehrenden Stadtbusse sind überfüllt, vor allem im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr. Sie kommen angesichts der verstopften Straßen nur langsam voran und nur wenige Linien führen durch die ganze Stadt. Da die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den Straßen Shanghais gerade einmal 14 km/h beträgt, ist das nicht sonderlich schwer nachzuvollziehen. Und das obwohl es überall Highways gibt, die über den Dächern der Häuser quer durch die Stadt führen. Diese Highways dürfen allerdings nur mit Shanghai Kennzeichen befahren werden, von welchen es monatlich nur eine begrenzte Anzahl gibt. Daher werden momentan bis zu 10.000€ für ein Kfz-Kennzeichen geboten. Nur ein Beispiel dafür, wieviel Mobilität den Chinesen wert ist.

Neben dem Straßenverkehr besitzt Shanghai natürlich zwei Flughäfen, mehrere Bahnhöfe, ein Schnellzugbahnhof, den größten Seeschiffhafen der Welt, die Hangzhou Bay Bridge (welche bis 2011 mit 36 KM die längste Meeresbrücke der Welt war), den einzigen öffentlich verkehrenden Transrapid der Welt, usw… 24 Millionen Menschen und Millionen Tonnen von Waren wollen schließlich bewegt werden.

Shanghai ist heute die modernste und dem Westen ähnlichste Stadt in der Volksrepublik China. Der historische Kern ist weitgehend Neubauten gewichen und nur noch als Touristenattraktion vorhanden, während der Bau von Wolkenkratzern bei 24-stündiger Bautätigkeit zunimmt. Der markanteste Punkt der Stadt ist sicherlich „The Bund“. Diese Uferpromenade am Huangpu ist weltweit einmalig, da sie koloniale Bauwerke im Westen mit den futuristischen Bauwerken im Osten vereint. Eines von diesen futuristischen Bauwerken ist der Shanghai Tower, mit 632 m das derzeit zweithöchste Gebäude der Welt. Zusammen mit dem 420 Meter hohen Jin Mao Tower und dem 492 Meter hohen Shanghai World Financial Center bildet es ein Ensemble von drei sehr hohen Wolkenkratzern im Shanghaier Finanzdistrikt Pudong. Ein deutliches Zeichen dafür, welche Rolle China und insbesondere Shanghai in der globalisierten Welt spielt.

Neben dem beeindruckenden Häusermeer hat Shanghai auch viele grüne Flecken zu bieten. Wie für Asien typisch, gibt es viele Parks, die besonders zur Mittagszeit sehr populär sind. In diesen findet man auch Statuen einiger bekannter Deutscher. So sind neben Albert Einstein in Shanghai auch „Ma Ku Ze und En Ge Ze“ zu finden. Eine Statue von Karl Marx und Friedrich Engels. Aber auch sonst ist die Stadt sehr grün. So versucht man seit ein paar Jahren viele Verkehrsflächen zu begrünen, um der Luftverschmutzung Herr zu werden. Selbst überdachte Fahrradständer werden begrünt. Die Luftverschmutzung ist eine der Schattenseiten des auftrebenden Shanghais. Dazu muss man aber sagen, dass seit Einführung des Indexsystems, zur Messung der Luftqualität, in Shanghai noch nie der kritische Wert von 300 erreicht wurde. Aus Erfahrungen können wir aber sagen, dass schon ein Wert von 140 sehr kritisch ist. Mit der Globalisierung einher geht auch die Veränderung des Stadtbilds in der Innenstadt. Alte Arbeitersiedlungen werden geräumt, renoviert und anschließend zu Einkaufsstraßen umgewandelt. Die früheren Bewohner werden in Hochhäuser an den Rand der Innenstadt umgesiedelt und sind ziemlich sicher nicht in der Lage, sich Waren von Gucci und Co. Zu kaufen. Beispielhaft für eine solche Gentrifizierung ist das Viertel Xin Tiandi. Lebten dort vormals bis zu 3.000 Menschen, kann man heute im Paulaner Biergarten ein Weißbier einnehmen bevor man sich eine neue Tasche bei Louis Vuitton leistet… Man kann sich wahrhaftig darüber streiten, ob die Gentrifizierung nun zum Erhalt dieser Siedlung beigetragen hat oder nicht. Aber zu einer „Siedlung“ gehören eben nicht nur die Bauwerke, sondern auch die Menschen, die bei diesem Wandlungsprozess leider auf der Strecke bleiben. Zwar prägen die vielen Malls und Shopping Center das Bild der „neuen“ Shanghaier Innenstadt, jedoch kann man am Rand der Stadt immer noch den Puls von früher spüren. Viele Läden, Garküchen und fliegende Händler prägen das Stadtbild und werden dabei von einer Horde Motorollern flankiert, welche meist schon elektronisch betrieben werden.

Zusammenfassend sei gesagt, dass man bei einem Aufenthalt in Shanghai die Randbezirke auf keinen Fall missen sollte. Zwar ist Pudong mit seinen Wolkenkratzern, die Innenstadt mit ihren Parks und Malls und der Huangpu auf jeden Fall einen Besuch wert. Um jedoch ein Gefühl für die Stadt zu bekommen, sollte man die halbstündige Metrofahrt in die Außenbezirke aber auf jeden Fall auf sich nehmen.