Nun ist die Zeit doch eher verflogen (außer letzten Samstag, dazu später mehr) und unser gemeinsames Abenteuer im Ausland neigt sich dem Ende. Die letzten Wochen waren geprägt von unserem Fleiß für die Anschlussarbeiten in der Uni und dennoch der ein oder anderen kleinen Entdeckungstour hier in Shanghai.
In drei Fächern mussten wir Hausarbeiten zum Abschluss als Studienleistung einreichen, einzig in Chinesisch galt es eine mündliche und schriftliche Prüfung abzulegen. Im Fach „Social Changes in contemporary China“ durften wir über unsere Präsentation zum Thema Urbanisierung in China schreiben. Hierbei haben wir uns über die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten und die Auswirkungen für die in den Städten Lebenden Menschen ausgelassen. Vor einigen haben wir bereits ausgiebig über diese Landflucht und die damit einhergehenden für uns unvorstellbaren Dimensionen berichtet. Im Fach „Foreign Trade of China“ durften wir uns eine Thematik zum Außenhandel zwischen China und Deutschland frei aussuchen. Matti hat das Thema seltene Erden gewählt. Hierbei handelt es sich um wertvolle Elemente, die in nahezu jedem Elektronikartikel verwendet werden. Diese Materialien befinden sich in geringen Mengen in bestimmten Gesteinen, die hier in China gefördert werden. In den letzten Jahren kam es dabei zu einem Monopol Chinas auf dem Weltmarkt. Folge dessen war, dass z.B. Osram hier in China in das Bergbaugeschäft eingestiegen ist, um sich einen Zugriff auf die seltenen Erden zu sichern. Alex hat sich in dieser Abschlussarbeit mit der Lieferung von chinesischem Stahl nach Deutschland bzw. in die EU befasst. Stahl hat in China einen besonderen Stellenwert, im Zuge des Bau-Booms der letzten 15 Jahre wurden die Produktionsmöglichkeiten extrem erweitert. China allein produziert nun so viel Stahl wie der Rest der Welt zusammen, mittlerweile aber auch mehr als es benötigt. Deshalb ist der Stahl in den letzten Jahren zur Ursache häufiger Handelsstreitigkeiten und damit verbundener Schutzzölle auf beiden Seiten geworden. In dem Kurs „Intercultural Business Communication“ durften wir uns ebenfalls einen Fall zum Thema interkultureller Konflikt in Unternehmen aussuchen. Wir haben uns hierbei mit dem Einfluss chinesischer Investitionen auf die Sozialpartnerschaft in Deutschland am Bespiel des Augsburger Roboterbauers KUKA beschäftigt. Dieses Unternehmen wurde im letzten Jahr von dem chinesischen Hausgerätehersteller Midea gekauft. Im Gegensatz zu einigen anderen Unternehmen, wo es nach dem Chinesischen Investment schnell zu Problemen und Konflikten kam, ist es bei KUKA verhältnismäßig ruhig geblieben. Im Vorfeld wurden zwar diverse Bedenken von Gewerkschaftern und auch Politikern geäußert, die jedoch nicht eingetreten sind. Wir haben diesen Fall analysiert und festgestellt, dass wohl im Vorfeld verschiedene Lösungen gefunden wurden, um einen interkulturellen Konflikt zu vermeiden. So wurde z.B. ein Investment Agreement angeschlossen, welche u.a. die Unabhängigkeit KUKAS von Midea sichert. Auf kultureller Ebene dient dies der Langzeit-Orientierung der Deutschen und der Chinesen. Außerdem wurde darauf verzichtet ein Chinesisches Management einzusetzen, welches möglicherweise zu großer Unsicherheit bei Mitarbeitern und Betriebsräten geführt hätte. Letztendlich hat also ein Einfluss der Investoren stattgefunden, mit dem man jedoch sicher umgegangen ist. Deshalb dient der KUKA-Fall europaweit als positives Beispiel für die immer häufiger vorkommenden Chinesischen Investitionen. Dennoch sollten wir an dieser Stelle erwähnen, dass in der letzten Woche das deutsche Management traurigerweise den Abbau von 250 Stellen angekündigt hat. Ein weiterer wesentlicher Punkt in den letzten Wochen in der Uni war unsere Präsentation zum Thema Kulturschock. Da es für beide von uns nicht der erste Aufenthalt in Asien war, sind wir keinem richtigen „Schock“ verfallen, dennoch haben wir verschiedenste neue Sachen beobachtet und waren immer mal wieder verwundert. Einiges davon haben wir euch bereits berichtet und mit Fotos bewiesen 😉 In unserer Präsentation haben wir uns auf die Themen Umgang mit Lebensmittel und Tieren und die uns entgegengebrachte Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen hier bezogen. Beim ersten Thema konnte wir einige Beispiele nennen, die uns sehr verwundert haben: Etikettierte lebende Fische, Schildkröten im Supermarkt, Goldfische in Blumenvasen und auch echtes Hundefleisch. Interessant jedoch, dass die Chinesen viel Wert auf Lebensmittelsicherheit legen. Jedes Restaurant, Imbiss etc. wird einer Bewertung unterzogen, das Ergebnis wird in Form einer Ampel dann vor Ort ausgestellt. Zum Thema der Herzlichkeit hatten wir auch diverse Beispiele aus unserem Aufenthalt hier: die Gastfreundschaft in dem Dorf, wo wir unsere Ferien verbracht und interessante „Gespräche“ hatten, die netten und stets hilfsbereiten Menschen in unserem Apartmenthaus und verschiedenste zufällige Begegnung auf den Straßen Shanghais.
In der letzten Zeit haben wir außerdem nochmal ein paar kleine Ausflüge gemacht, deren Anekdoten nicht unerwähnt bleiben sollen. Vergangenen Donnerstag haben wir uns Teile der Innenstadt angesehen, die wir bisher nicht kannten. So haben wir einen ausgiebigen Spaziergang im Französischen Viertel unternommen und versteckte Gassen mit kleinen Lädchen und französische Architektur aus dem 20. Jahrhundert bestaunt. Zu dieser Zeit haben verschiedenste Kolonialmächte s.g. Handelskonzessionen in Shanghai aufgebaut um den Einfluss auf China zu sichern und den eigenen Handeln zu stärken. Der Ursprung des Viertels ist also nicht die schönste, allerdings werden die schönen Häuser bis heute bewohnt und viele sind außerdem aufwendig renoviert worden, was schöne Anblicke bietet. Anschließend sind wir zum China Art Museum gefahren. Dies befindet sich im auffälligen roten Pavillon Chinas, der zur Expo 2010 errichtet wurde. Ein von außen monumentaler Bau, aus der Nähe mussten wir jedoch feststellen, dass uns das rote Wellblech eher an ein Möbelhaus erinnert. Innen erwarteten uns verschiedenste Kunstobjekte aus verschiedenen Zeiten, leider macht die bloße Menge ausgestellter Objekte ein Museum noch nicht sehenswert…
Am vergangenen Freitag haben wir dann einen Ausflug zum Muslim Market unternommen. In der Nähe einer Moschee in Shanghai findet jeden Freitag ein Markt statt, mit verschiedensten muslimischen Köstlichkeiten und Produkten. So gab es gegrillte Lammspieße, gefüllte Brottaschen aus einem Rundofen, Reisgerichte mit Lammfleisch und eine riesige Auswahl an traditionellen Süßigkeiten. Wir haben uns dort mit Piotr und Edita verabredet, mit denen wir am Abend noch traditionell Chinesisch Essen gegangen sind. Nicht, dass wir schon ausreichend zu essen hatten an diesem Tag, aber wir wollten unseren letzten Tag in der Uni feiern. Für den halbstündigen Weg zu Restaurant haben wir uns noch schnell ein Wegbier besorgt und los ging es. Das Essen war sehr lecker und klassisch, dazu tranken wir ein, zwei Bier. Zum Verdauen noch einen Reisschnaps… und spätestens hier wird jeder wissen, wie die Geschichte endet! Auf dem Weg heim haben wir an gefühlt jeder Ecke und jedem Supermarkt einen Stopp eingelegt. Nachschub und kurze Trinkpause – wir wollten den beiden Mal zeigen, wie man in Hamburg richtig „cornert“. Selbstlos haben wir uns dieser Aufgabe hingegeben und den Rückweg zu einer 3-stüdnigen Odyssee ausufern lassen, die schließlich in der mobilen Karaoke-Kabine vor unserem Haus und dem Erwerb eines 1000-jährigen Ei aus dem Automaten endete! Ein herrlicher und lustiger Abend, der seinen Tribut forderte: So schnell die Zeit verflog, der folgende Samstag war ein schwerer und quälend langer Tag für uns…
Dennoch sind wir nun am Ende unseres Auslandsstudiums angelangt. Wir werden uns nun noch für die nächsten drei Wochen mit Michaela und Christoph auf Entdeckungsreise in andere Teile Chinas begeben.
Wir hoffen wir konnten euch mit unserem Blog die ein der Andere Erkenntnis liefern, euch unterhaltsame Stunden bereiten, dazu beitragen ein paar Vorurteile abzubauen und vielleicht sogar Lust dazu bereiten, dieses wundervolle Land selbst einmal zu bereisen!
再见 zàijiàn Auf Wiedersehen
Liebe Grüße
Matti und Alex